Gedankensplitter

Monatslosung September 2020 2. Korinther 5,19

ὡς ὅτι θεὸς ἦν ἐν Χριστῷ κόσμον καταλλάσσων ἑαυτῷ, μὴ λογιζόμενος αὐτοῖς τὰ παραπτώματα αὐτῶν, καὶ θέμενος ἐν ἡμῖν τὸν λόγον τῆς καταλλαγῆς.

Denn Gott war in Christus und hat die Welt mit sich versöhnt, indem er ihnen ihre Übertretungen nicht anrechnete und in uns das Wort von der Versöhnung hineingelegt hat.

Die Monatslosung steht im 2.Brief des Paulus an die Gemeinden in und um Korinth. Geschrieben um das Jahr 55, möglicherweise in Makedonien. Briefe, die Paulus schreibt, haben immer einen Anlass. Wollen die Beziehung zwischen ihm und seinen Gemeinden stärken. In Korinth sind neue Missionare angekommen, sie unterscheiden sich theologisch gar nicht sonderlich von Paulus. Aber er scheint die Gemeinde, seine Gründung, wie sein Eigentum zu betrachten. Korinth ist sein Kind. Das nimmt er zum Anlass, den Korinther zu erklären, was einen richtigen Apostel ausmacht. Ein Apostel lebt aus der Versöhnung Gottes, der Übertretungen nicht zum Nachteil anrechnet, wie Paulus es selbst erfahren hat, der ja einstmals die Christen verfolgt hat. Was ihn antreibe, sei die Liebe, die er in Jesus Christus gefunden hat. Sein Maßstab für die Beurteilung von Menschen habe sich dadurch grundsätzlich verändert. Der äußere Anschein zähle nicht mehr. So sei ein Apostel die lebendige Inszenierung der Botschaft Jesu Christi. Apostel und Gemeinde seien aber auch vereint im Erdulden und Ertragen der Leiden, die Christen zu dieser Zeit erleben müssen, so, wie auch Christus sein Leiden getragen hat. Das ist seine Grundidee: Nachfolge (Apostolat) als lebendige Inszenierung der versöhnenden Botschaft Jesu Christi. Klingt einleuchtend. Nachfolge muss gelebt werden. Christsein ist immer praktisch und an der Nächsten- und Feindesliebe orientiert. Sonst ist es inhaltsloses Gequake. Hier scheint unser jüdisches Erbe durch. Denn im Judentum gilt: Rede nicht ungefragt von deinem Glauben, aber lebe so, dass dich die Menschen danach fragen. Was ja bedeutet, dass die Inszenierung unseres Glaubens dynamisch ist, niemals festgelegt. Unser Handeln aus dem Glauben antwortet immer auf eine konkrete Situation, wirkt in sie hinein, und umgekehrt, eine konkrete Situation stellt unser Handeln aus dem Glauben immer wieder in Frage. „Goldene Antworten“ für alle Situationen des Lebens stellt unser Glaube nicht zur Verfügung. Ist mühsam, ja. Wir können dabei auch „falsch“ liegen und uns irren. Aber wir wissen, dass Gott uns unsere Übertretungen, Fehler und Macken nicht zu unserem Nachteil anrichtet. Luther hat den Gedanken aufgenommen, wenn er meint „pecca fortiter, sed crede fortius“. Mach Fehler, aber glaube noch mehr an die vergebende Gnade Gottes. Das ist ein ganz anderer Maßstab zur Beurteilung von Situationen und Menschen als unsere Gesellschaft ihn lebt. Bei uns gilt die Leistung etwas, sie wird verlangt, abgefragt, nachgewiesen und muss beständig erhöht werden. ‚Leistung soll sich wieder lohnen‘ – war mal die Parole einer bestimmten Partei. Angebliche Leistungsverweigerer werden abgestraft. Und wenn man am Ende nichts mehr leisten kann, möge man doch bitte geräuschlos abtreten. Oft ist die Rente zum Leben zu wenig und zu Sterben zu viel. Nachfolge Jesu als die Inszenierung der versöhnenden Botschaft von der vergebenden Gnade Gottes: Unser Gegenentwurf zur Welt. Unmöglich zu Leben ist er nicht. Aber auf Widerstände muss man schon gefasst sein.
Ich wünsche Ihnen einen schönen September!

Stephan Lorenz, Pastor i.R., Uz. Sesmarias, Lote 84, 8400-565 Carvoeiro, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; +49 171 6820295; +351 282 341 214

 

 

 

Deutschsprachige Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Algarve (DEKA)

Gottesdienst am 15. Sonntag nach Trinitatis 20.September 2020

Geläut 

Musik (Wenn des Kreuzes Bitterkeit, BW 99) 

Salutatio:
P: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, P+G: der Himmel und Erde gemacht hat. Amen

Alle eure Sorgen werft auf IHN, den ER sorgt für euch. 1. Petrus 5,7

Confiteor:
„Wenn Gott das Haus nicht baut, arbeiten die Bauleute vergeblich; wenn Gott die Stadt nicht bewacht, vergeblich wacht der Wächter.“ – so lesen wir es im Psalm 127, dem Psalm des heutigen Sonntages. Und denken vielleicht an die bekannte Anekdote, wo ein Pfarrer nach dem Gottesdienst einen Mann in seinem Garten schuften sieht und ihn ermahnt, er hätte mal lieber in die Kirche kommen sollen und Gott arbeiten lassen. Worauf der Mann antwortet: Ach Herr Pfarrer wissen Sie, wie der Garten aussah als Gott hier noch alleine gearbeitet hat? Wir nehmen unsere Sorgen lieber selber in die Hand. Aber, wird’s dadurch besser? Wir Christen kommen im Gottesdienst zusammen, um gemeinsam zu singen, zu beten und über Worte aus der Schrift nachzudenken. Wir wollen uns darin bestärken: da ist ein Gott, der uns sieht und für uns sorgt, für all die Dinge, die wir nicht selber besorgen können. So merken wir unsere Wahrnehmungsverengung. Deshalb beten wir am Anfang:
Gott, erbarme dich unser, vergibt uns unserer Kleinglauben, führe uns zu ewigen Leben und lass uns diesen Gottesdienst mit einem unbeschwerten Herzen und fröhlichen Lippen feiern durch Jesus Christus, unseren Herren. Amen Und wir erhalten gleich die Antwort, die in diesem Gottesdienst erlebbar werde: Gott sorgt für uns, ER hat sich unser erbarmt, sein Sohn ist für uns in den Tod gegangen. Durch ihn ist uns alles vergeben. Alle, die das glauben können, sind Gottes Kinder, die der Heilige Geist kennt. Wer das glauben kann, der wird auch selig werden. Das verleihe Gott uns allen. Amen

Lied EG 345 Auf meinen lieben Gott 

Psalm 127
Alle Sorgen werft auf IHN, den ER sorgt für euch.
Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.
Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht vergeblich der Wächter.
Es ist umsonst, wenn ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet.
Und esst euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt’s der HERR im Schlaf,
Alle Sorgen werft auf IHN, den ER sorgt für euch.

Gloria
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
P: Kyrie eleison G: Herr erbarme dich
P: Christe eleison G: Christe erbarme dich
P: Kyrie eleison G: Herr erbarm dich über uns
P. Ehre sei Gott in der Höhe – G: Und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen

Gloria in excelsis
Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum das nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgfalln Gott an uns hat, nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.
P: Der Herr sei mit euch - G: Und mit deinem Geist.

Kollektengebet
Gott, der Du uns tröstest in unseren Ängsten, sei uns gnädig und erhöre unser Gebet.
Du bist es, der uns erschaffen hat und uns durch dein Wort erhält, wir bitten dich:
Hilf uns in deiner Barmherzigkeit alles, was du uns schenkst, so zu gebrauchen, dass wir unser eigenes Leben und das Leben der anderen Menschen bereichern, so dass auch durch uns Dein Wille geschehe, wie wir ihn durch Jesum Christum kennengelernt haben.
Jesus lebt und stärkt uns auf dem Weg zu Dir durch den Heiligen Geistes heute und für immer. Amen

Lied EG 369 Wer nur den lieben Gott lässt walten 

Die Lesung steht im 1. Petrusbrief (5, 5-11)
Alle legt im Umgang miteinander das Kleid der Demut an, denn »Gott widersteht den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade«. Demütigt euch also unter die machtvolle Hand Gottes, damit er euch zu seiner Zeit erhöhe! Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch! Seid nüchtern, seid wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann! Dem leistet Widerstand in Glaubensfestigkeit; ihr wisst ja, dass die gleichen Leiden euren Schwestern und Brüdern in der ganzen Welt auferlegt werden. Der Gott aller Gnade aber, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus, der wird euch nach einer kurzen Leidenszeit vollbereiten, festigen, stärken und gründen. Sein ist die Macht in alle Ewigkeit! Amen

Hallelujavers Halleluja. Schmecket und sehet, wie freundlich Gott ist. Wohl dem, der IHM vertraut. (Psalm 34,9) Halleluja. Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja

Lied EG 347 Ach bleib mit deiner Gnade 

Die Lesung des Evangeliums steht im Matthäusevangelium (6, 25-34)
P+G: Ehre sei dir Herre
Deswegen sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben wertvoller als die Nahrung und der Leib wertvoller als die Kleidung? Sehet die Vögel des Himmels an: sie säen nicht und ernten nicht und sammeln nichts in Scheuern, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch vermöchte aber mit all seinem Sorgen der Länge seiner Lebenszeit auch nur eine einzige Spanne zuzusetzen? Und was macht ihr euch Sorge um die Kleidung? Betrachtet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht und spinnen nicht; und doch sage ich euch: Auch Salomo in aller seiner Pracht ist nicht so herrlich gekleidet gewesen wie eine von ihnen. Wenn nun Gott schon das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet: wird er das nicht viel mehr euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: „Was sollen wir essen, was trinken, womit sollen wir uns kleiden?“ Darauf sind Heiden bedacht. Euer himmlischer Vater weiß ja, dass ihr dies alles bedürft. Nein, trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, dann wird euch all das andere obendrein gegeben werden. Macht euch also keine Sorgen um den morgigen Tag! Denn der morgige Tag wird seine eigenen Sorgen haben; jeder Tag hat an seiner eigenen Mühsal genug.
P+G: Lob sei Dir, o Christus

Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied EG 321 Nun danket alle Gott 

Predigt (Text 1. Mose 2, 4-9.15)
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen
Alle eure Sorgen werft auf IHN, den ER sorgt für euch. (1. Petrus 5,7) der Petrusbrief gibt das Thema an. Worum sollen wir uns Sorgen und welche Sorgen sollen wir sein lassen?
Jean Paul Sarte sagte einmal: Ein großer Teil der Sorgen besteht aus unbegründeter Furcht.

Die alten Griechen hatten ein anders Konzept. Einst haben sich die Göttin Erde und die Göttin Sorge um den Menschen gestritten, wem er denn gehöre, der Erde oder der Sorge. Nach einem langen Streit hat man sich dann geeinigt. Und das Ergebnis: Wenn der Mensch stirbt, dann gehört er der Erde, solange er lebt gehört er der Sorge.

Die hannoversche Antwort stammt von Wilhelm Busch. Es ist ein Brauch von alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör.

Welchen Umgang mit dem „Sich-Sorgen-Machen“ hat unsere jüdisch-christliche Tradition?

Ist der Vers aus dem Petrusbrief oder der Psalm den wir lasen: „Wenn Gott nicht das Haus baut, so arbeiten die Bauleute umsonst. Wenn Gott uns nicht behütet, ist alle Wachsamkeit umsonst, denn seinen Menschen gibt’s der Herr im Schlaf.“ - eine Einladung zur Sorglosigkeit in besorgniserregenden Zeiten? Ich denke nein! Es gibt mindesten zwei Missverständnisse. Einmal ein eher kindliches. Man versteht das ‚Sorgt nicht!’ so, dass andere für einen sorgen mögen. Das funktioniert erstaunlich oft auch bei erwachsenen Menschen. Diese Haltung kann sich nicht auf die Bibel berufen.

Ein zweites Missverstehen. Man hört die Aufforderung ‚Sorgt euch nicht’, und denkt, man selbst sei nicht betroffen. Man müsse sich keine Sorgen machen. Es gehe einem ja gut. Aber solches Sich-nicht-Betreffen-lassen ist kurzsichtig. Irgendwann kommt die Not der anderen bei uns an. Die Not der Flüchtlinge hier im Süden Europas ist in dieser Woche unübersehbar geworden.
Im Evangelium des heutigen Tages bei Matthäus lesen wir, worum wir uns keine Sorgen machen sollen: (Matthäus 6, 25-34)
Macht euch keine Sorgen um euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben wertvoller als die Nahrung und der Leib wertvoller als die Kleidung? Sehet die Vögel des Himmels an: sie säen nicht und ernten nicht und sammeln nichts in Scheuern, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch vermöchte aber mit all seinem Sorgen der Länge seiner Lebenszeit auch nur eine einzige Spanne zuzusetzen? Und was macht ihr euch Sorge um die Kleidung? Betrachtet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht und spinnen nicht; und doch sage ich euch: Auch Salomo in aller seiner Pracht ist nicht so herrlich gekleidet gewesen wie eine von ihnen. Wenn nun Gott schon das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet: wird er das nicht viel mehr euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: „Was sollen wir essen, was trinken, womit sollen wir uns kleiden?“ Darauf sind Heiden bedacht. Euer himmlischer Vater weiß ja, dass ihr dies alles bedürft.
Es geht also um ein spezifisch christliches Sich Sorgen machen im Unterschied zum heidnischen, und folgerichtig um eine spezifisch christliche Sorglosigkeit.

Worauf soll sich unser Sorgen also beziehen? Unsere heutigen Erzählungen nennen drei Bereich, wo unsere Sorge angemessen, ja geradezu gefordert ist.

Als erstes hören wir eine Geschichte aus dem 1. Buch Mose (2, 4-9.15)

Dies ist die Entstehungsgeschichte des Himmels und der Erde, als sie geschaffen wurden. Zur Zeit, als Gott der HERR Erde und Himmel schuf, als es auf der Erde noch keine Sträucher auf dem Felde gab und noch keine Pflanzen auf den Fluren gewachsen waren, weil Gott der HERR noch keinen Regen auf die Erde hatte fallen lassen und auch noch keine Menschen da waren, um den Ackerboden zu bestellen –es stieg aber ein Wasserdunst von der Erde auf und tränkte die ganze Oberfläche des Erdbodens –:da bildete Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies ihm den Lebensodem in die Nase; so wurde der Mensch zu einem lebenden Wesen. Hierauf pflanzte Gott der HERR einen Garten in Eden nach Osten hin und versetzte dorthin den Menschen, den er gebildet hatte. Dann ließ Gott der HERR allerlei Bäume aus dem Erdboden hervorwachsen, die lieblich anzusehen waren und wohlschmeckende Früchte trugen, dazu auch den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen… Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bestelle und behüte
Die Geschichte erzählt eine Variante, was es mit der Erschaffung der Welt und des Menschen darin auf sich hat. Weshalb Gott überhaupt den Menschen geschaffen hat. Gott erschafft zuerst den Menschen. Dann baut er um ihn herum den Garten Eden. Er setzt ihn hinein mit einem klaren Auftrag. Der Mensch soll den Garten Eden, die Erde bestellen und behüten! Das ist der erste Hinweis des heutigen Sonntages. Darum sollen wir uns Sorgen machen: Dass wir die Erde, diesen Garten Eden, bestellen und behüten. Ich brauche hier keinem klar zu machen, wie aktuell dieser Schöpfungsauftrag an uns Menschen ist. Der Wandel unseres Klimas ist in vollem Gange, auch wenn Präsident Trump uns verspricht, es wird wieder kälter.

Dann der 1. Petrusbrief: Alle legt im Umgang miteinander das Kleid der Demut an, denn »Gott widersteht den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade«. Das soll unsere zweite Sorge sein: im gegenseitigen Umgang miteinander demütig sein.

Für viele von uns mit einer strengen christlichen Erziehung ein Wort, das grausige Erinnerungen evoziert. Ich vermute, ihre Erziehung mag demütigend gewesen sein, aber es war keine Erziehung zur Demut.

Bei antiken Hörern im römischen Reich war der Aufruf, demütig zu sein, eine Provokation. Man hatte stolz zu sein. Demut was etwas für Sklaven. Noch Nietzsche steht in dieser Tradition, wenn er Demut als gefährliches und verleumderisches Ideal beschreibt, hinter dem sich Feigheit und Schwäche verberge.

Im Alten und Neuen Testament spielt die Haltung der Demut eine große Rolle. Das hebräische Wort bedeutet, sich beugen, sich herabbeugen. Und das beschreibt zu allererst die Haltung Gottes den Menschen gegenüber: Gott beugt sich zu seinen Menschen herab. Sieht ihre Not, ihre Sorgen, - also das, was Jesus in der Matthäusgeschichte erzählt – und schafft Abhilfe. Wir Christen glauben, dass sich Gott in Jesus Christus ganz zu uns herabgebeugt hat. Paulus beschreibt es in seinem Brief an die Philipper: (2, 5ff)

Solche Gesinnung wohne in euch allen, wie sie auch in Christus Jesus vorhanden war; denn obgleich er Gottes Gestalt besaß, sah er doch das Gleichsein mit Gott nicht als einen gewaltsam festzuhaltenden Raub an; nein, er entäußerte sich selbst, indem er Knechtsgestalt annahm, ganz in menschliches Wesen einging und in seiner leiblichen Beschaffenheit als ein Mensch erfunden wurde; er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tode, ja, bis zum Tode am Kreuz.

So wie Gott sich in Christus bis zum Äußersten zu uns herabgebeugt hat, sollen auch wir uns gegenüber unseren Mitmenschen verhalten. Dafür soll unsere Sorge: einander wie Christus demütig zu begegnen.

Carl Gustav Jung hat die Demut einmal ins Psychologische gewendet.
„Wahrlich, der Weg führt durch den Gekreuzigten. Das heißt durch den, dem es nicht zu wenig war, sein eigenes Leben zu leben und der darum erhöht wurde zur Herrlichkeit. Nicht lehrte er Wissbares und Wissenswertes, sondern er lebte es. Es ist nicht zu sagen, wie groß die Demut dessen sein muss, der es auf sich nimmt, sein eigenes Leben zu leben.“ Etwas pathetisch ausgedrückt. Erst ein demütiger Mensch kann sein eigenes, individuelles Leben wirklich leben.

Die Nacherzählung der Rede Jesu auf dem Felde bei endet mit den Worten:
Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: ›Was sollen wir essen, was trinken, womit sollen wir uns kleiden?‹ Denn auf alles derartige sind die Heiden bedacht. Euer himmlischer Vater weiß ja, dass ihr dies alles bedürft. Nein, trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, dann wird euch all das andere obendrein gegeben werden.

Um es mit Sarte zu sagen: Unsere alltäglichen Sorgen nach Essen, Trinken und Kleidung sind unbegründete Furcht. Unsere Existenz hängt davon nicht ab. Wohl aber davon, dass wir dafür Sorge tragen, dass es in dieser Welt gerecht zugeht. Was können wir uns darunter vorstellen?

Luther übersetzt das griechische Wort ‚dikaiosyne‘ mit Gerechtigkeit. Das alte deutsche Wort heißt ‚gireht‘ bedeutet angemessen, gemäß. Und das trifft den biblischen Befund ziemlich genau. Viele Geschichten erzählen uns, dass es gerecht zugeht, wenn jeder das ihm angemessene erhält. Denken Sie an die Geschichte vom Arbeiter im Weinberg. Die Ersten bekommen so viel wie die Letzen. Ganz aktuell, wenn wir das Problem eines angemessenen Grundlohns für alle diskutieren. Gott schafft den Menschen zu seinem Ebenbild als Mann und Frau. Von einer Gleichberechtigung von Mann und Frau sind wir meilenweit entfernt. Um nur zwei Beispiele zu nennen.
Unser christlicher Glaube erzählt: die Liebe Gottes zu seinen Menschen, seine Treue, ist es, die uns zu einem gerechten, angemessen Verhalten zu unseren Mitmenschen verhilft. Seine vergebende Gnade ist Grund unserer Gerechtigkeitserfahrungen. Deshalb schützt unsere Gerechtigkeit die Schwachen und Wehrlosen, die aus der Welt gefallen sind, für die Leben nichts weiter als ein Höllentrip ist.

Also, worauf soll sich unser Sorgen richtig. Nicht zu allererst auf das Leberwurstbrot , nicht darauf, ob unsere Klamotten der neusten Mode entsprechen, sondern unser Sorgen möge sich erstens auf die Bewahrung und Erhaltung der Schöpfung richten, zweitens soll einer dem anderem zum Christus werden, sich zu ihm herabbeugen und helfen wo er kann und drittens sollen wir die liebende Gnade Gottes, dir uns zu richtigen, gerechten Menschen macht in all unseren Bezügen leben.

Nun weiß und glaub ich feste, ich rühms auch ohne Scheu,
dass Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei
und dass in allen Fällen er mir zur Rechten steh
und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh.

Sein Geist wohn mir im Herzen, regiert mir meinen Sinn,
vertreibet Sorg und Schmerzen, nimmt allen Kummer hin,
gibt Segen und Gedeihen dem, was er in mir schafft,
hilft mir das Abba schreien aus aller meiner Kraft.

Und Gottes Heiliger Geist befestige diese Worte in euren Herzen, damit ihr das nicht nur gehört, sondern auch im Alltag erfahrt, auf dass euer Glaube zunehme und ihr selig werdet, durch Jesum Christum unseren Herrn. Amen

 

Lied EG 410 Christus, das Licht der Welt 

Abkündigungen
1.Am letzten Dienstag, dem 15. September wurde Karin Winicker auf See bestattet. Sie war am 2. Januar 2020 im Alter von 81 Jahren verstorben. Unser Weg mit Gott endet nicht am Grab, so bitten wir für unsere Verstorbene, die heimgeholt wurde in das Ewige Leben. Für alle, die ihr Tod traurig macht, bitten wir Gott um Trost, so wie eine Mutter ihr Kind tröstet. Wir vertrauen uns der Liebe Gottes an und bitten: Gott lehre uns unser irdischen Ende zu bedenken und stärke uns in der Hoffnung auf dein Ewiges Leben. Amen

2. Morgen, Montag um 12 Uhr werden Fleur und Ernst Keßler hier in dieser Kapelle getraut. Wir freuen uns mit den beiden und befehlen ihren gemeinsamen Weg dem an, der sie zusammengeführt hat.

3.Der nächste Gottesdienst findet nächsten Sonntag, dem 16. Sonntag nach Trinitatis, am 27. September 2020 statt. Die aktuellen Termine finden Sie immer auf unsere Webseite.

4. Am übernächsten Sonntag, dem 4. Oktober feiern wir den Gottesdienst zum Erntedankfest in dieser Kirche. Dazu möchten wir den Altarraum mit den Früchten schmücken, die wir in unseren Gärten ernten konnten. Wir bitten darum, dass Sie uns einiges zur Verfügung stellen. Wir möchten die Erntefrüchte im Anschluss an den Gottesdienst die Gaben an Bedürftige unserer katholischen Schwestergemeinde verteilen.

5.Der Chor trifft sich am nächsten Donnerstag, 24. September, um 19:30 Uhr.
6. Der Gesprächskreis trifft sich am Donnerstag, dem 1. Oktober im Pfarrhaus um 16 Uhr. Um Anmeldung wird gebeten.

7. Die Kollekte vom letzten Sonntag ergab 66 €. Die heutige Kollekte ist für unsere Gemeindearbeit bestimmt. Sie können ihre Kollekte auch auf unser Konto überweisen: IBAN PT50 0045 7063 4028 3045 9748 8 BIC CCCMPTOL

8. Herzliche Einladung zum gemeinsamen Mittagessen im Restaurant „Taste“.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Lied EG 417 Laß die Wurzel unsers Handelns Liebe sein 

Fürbitte
P: Hilf uns, dass wir uns um das Sorgen machen, was uns wirklich angeht. Dein Reich ist nicht Fressen und Saufen, sondern Gerechtigkeit und Gnade. Dein Wort leite uns, den Unterschied zu sehen.

A: Gott, diese Erde, unser Leben haben wir aus deinen Händen. Bebauen und bewahren sollen wir sie. Hilf du uns dabei. Bleib an unserer Seite. Stärke alle, die deiner Schöpfung Gutes tun, die Erde vor Gift und Zerstörung schützen, sich denen in den Weg stellen, die sie ausplündern und abbrennen. Wir rufen: Kyrie eleison

B: Bleib an der Seite der Demütigen. Sie antworten auf Hass mit Liebe. Sie bleiben bei denen, die verzweifeln und ihren Lebensmut verlieren, die trauern und resignieren. Wir rufen: Kyrie eleison

C: Du liebst Menschen, die sich um Gerechtigkeit sorgen. Sie sind auf der Seite derjenigen, die leiden, keinen Ort haben, verfolgt und gefoltert werden. Sie treten dafür ein, dass jedem Menschen das zukommt, was für ihn angemessen ist. Hilf, dass wir für die, die zu uns geflüchtet sind, gute Lebensmöglichkeiten schaffen können. Wir rufen: Kyrie eleison

P: Gott, du bist treu. Hältst den Bund mit deinem auserwählten Volk. Wir bitten dich: Bleib an der Seite unserer jüdischen Geschwister,
die heute das Neue Jahr begrüßen. Bleibe bei uns mit deiner Treue,
und bei allen, die zu uns gehören, die wir lieben und die uns zu tragen geben. Gott sei bei uns heute und alle Tage. Laudate omnes gentes

Vater unser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen

Demissio/Entlassung
P: Gehet hin im Frieden des Herrn – G: Gott sei ewiglich Dank
Lied EG 421 Verleih uns Frieden gnädiglich 

Segen
Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden. Amen

Musik zum Ausgang (Was Gott tut, das ist wohl getan, BW 99) 

 

DEKA – Deutschsprachige evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Algarve. E-Mail¬: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Web: www.deka-algarve.com
Vorsitzende: Annemarie Webster: Tel. 282 356 231.
Pastor i.R. Stephan Lorenz: Tel: : 282 341 214; Mobil: 960 244 439; +49 171 68 20 295; 8400-565 Carvoeiro Uz Sesmarias 84. Wenn Sie mich sprechen wollen, rufen oder mailen Sie mich einfach an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Unsere Gemeindearbeit finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Wir freuen uns über jede Spende auf unser Konto IBAN PT50 0045 7063 4028 3045 9748 8
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