Gedankensplitter

Monatslosung September 2020 2. Korinther 5,19

ὡς ὅτι θεὸς ἦν ἐν Χριστῷ κόσμον καταλλάσσων ἑαυτῷ, μὴ λογιζόμενος αὐτοῖς τὰ παραπτώματα αὐτῶν, καὶ θέμενος ἐν ἡμῖν τὸν λόγον τῆς καταλλαγῆς.

Denn Gott war in Christus und hat die Welt mit sich versöhnt, indem er ihnen ihre Übertretungen nicht anrechnete und in uns das Wort von der Versöhnung hineingelegt hat.

Die Monatslosung steht im 2.Brief des Paulus an die Gemeinden in und um Korinth. Geschrieben um das Jahr 55, möglicherweise in Makedonien. Briefe, die Paulus schreibt, haben immer einen Anlass. Wollen die Beziehung zwischen ihm und seinen Gemeinden stärken. In Korinth sind neue Missionare angekommen, sie unterscheiden sich theologisch gar nicht sonderlich von Paulus. Aber er scheint die Gemeinde, seine Gründung, wie sein Eigentum zu betrachten. Korinth ist sein Kind. Das nimmt er zum Anlass, den Korinther zu erklären, was einen richtigen Apostel ausmacht. Ein Apostel lebt aus der Versöhnung Gottes, der Übertretungen nicht zum Nachteil anrechnet, wie Paulus es selbst erfahren hat, der ja einstmals die Christen verfolgt hat. Was ihn antreibe, sei die Liebe, die er in Jesus Christus gefunden hat. Sein Maßstab für die Beurteilung von Menschen habe sich dadurch grundsätzlich verändert. Der äußere Anschein zähle nicht mehr. So sei ein Apostel die lebendige Inszenierung der Botschaft Jesu Christi. Apostel und Gemeinde seien aber auch vereint im Erdulden und Ertragen der Leiden, die Christen zu dieser Zeit erleben müssen, so, wie auch Christus sein Leiden getragen hat. Das ist seine Grundidee: Nachfolge (Apostolat) als lebendige Inszenierung der versöhnenden Botschaft Jesu Christi. Klingt einleuchtend. Nachfolge muss gelebt werden. Christsein ist immer praktisch und an der Nächsten- und Feindesliebe orientiert. Sonst ist es inhaltsloses Gequake. Hier scheint unser jüdisches Erbe durch. Denn im Judentum gilt: Rede nicht ungefragt von deinem Glauben, aber lebe so, dass dich die Menschen danach fragen. Was ja bedeutet, dass die Inszenierung unseres Glaubens dynamisch ist, niemals festgelegt. Unser Handeln aus dem Glauben antwortet immer auf eine konkrete Situation, wirkt in sie hinein, und umgekehrt, eine konkrete Situation stellt unser Handeln aus dem Glauben immer wieder in Frage. „Goldene Antworten“ für alle Situationen des Lebens stellt unser Glaube nicht zur Verfügung. Ist mühsam, ja. Wir können dabei auch „falsch“ liegen und uns irren. Aber wir wissen, dass Gott uns unsere Übertretungen, Fehler und Macken nicht zu unserem Nachteil anrichtet. Luther hat den Gedanken aufgenommen, wenn er meint „pecca fortiter, sed crede fortius“. Mach Fehler, aber glaube noch mehr an die vergebende Gnade Gottes. Das ist ein ganz anderer Maßstab zur Beurteilung von Situationen und Menschen als unsere Gesellschaft ihn lebt. Bei uns gilt die Leistung etwas, sie wird verlangt, abgefragt, nachgewiesen und muss beständig erhöht werden. ‚Leistung soll sich wieder lohnen‘ – war mal die Parole einer bestimmten Partei. Angebliche Leistungsverweigerer werden abgestraft. Und wenn man am Ende nichts mehr leisten kann, möge man doch bitte geräuschlos abtreten. Oft ist die Rente zum Leben zu wenig und zu Sterben zu viel. Nachfolge Jesu als die Inszenierung der versöhnenden Botschaft von der vergebenden Gnade Gottes: Unser Gegenentwurf zur Welt. Unmöglich zu Leben ist er nicht. Aber auf Widerstände muss man schon gefasst sein.
Ich wünsche Ihnen einen schönen September!

Stephan Lorenz, Pastor i.R., Uz. Sesmarias, Lote 84, 8400-565 Carvoeiro, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; +49 171 6820295; +351 282 341 214

 

 

 

Deutschsprachige Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Algarve (DEKA)

Gottesdienst am 16. Sonntag nach Trinitatis 27.September 2020

Geläut 

Musik (Mein Leben hat kein ander Ziel, BW27) 

Salutatio:
P: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, P+G: der Himmel und Erde gemacht hat. Amen

Christus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium. 2.Tim 1,10

Confiteor:
Huch, werden Sie denken, was lässt der Pastor da spielen: „Mein Leben hat kein ander Ziel, als dass ich möge selig sterben.“ Welches Lebensziel ist denn gemeint? Die Auferstehung! Jesus lebt mit ihm auch ich. Tod wo sind nun deine Schrecken. Schon im Psalm 68 heißt es: „Wundersam ist Gott in seinem Heiligtum. ER wird seinen Menschen Macht und Kraft verleihen.“ Wir hören das, aber glauben wir es? Erwarten wir von Gott, dass er uns Macht, Kraft, Anteil an seiner Auferstehung gibt? Medizin, Pillen, Energiedrinks, Ausbildung, Leistung, Geld – das gibt uns Kraft und Macht – so denken wir doch eher. Wir gehen Christen in den Gottesdienst, um zur üblichen Sicht der Dinge, Gottes Perspektive zu hören und sein Einschätzung unsere Sicht zu bedenken. Und dabei merken wir dann sehr schnell: wir Menschen machen bei dem Versuch unsere Macht und Kraft woanders als bei Gott zu suchen unser eigenes und das Leben vieler anderer Menschen oft noch mehr zur Hölle, als es ohnehin schon ist. Deshalb beten wir am Anfang: Allmächtiger Gott, erbarme dich unser, vergib uns unsere Schuld und führe uns zum ewigen Leben. Lass uns diesen Gottesdienst mit einem unbeschwerten Herzen und fröhlichen Lippen feiern durch Christum, unseren Herrn.
Und wir erhalten gleich zu Beginn die Antwort, die sich durch diesen ganzen Gottesdienst bestätigen möge: Gott hat sich schon lange unserer erbarmt, er hat uns seinen Sohn gegeben, hat uns vergeben und alle, die das glauben können, befähigt, Gottes Kinder zu sein. Und sein Heiliger Geist wir mit ihnen sein. Wer das glauben kann, der wird auch selig werden. Das verleihe Gott uns allen. Amen.

Lied EG 166 Tut mir auf die schöne Pforte 

Psalm 68
Wundersam ist Gott in seinem Heiligtum. Er wird seinem Volke Macht und Kraft geben.
Singt Gott, lobsingt seinem Namen! Er heißt Gott. Freut euch vor ihm!
Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung.
Gelobt sei Gott täglich, ER legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.
Wir haben einen Gott, der da hilft, einen, der vom Tode errettet.
Wundersam ist Gott in seinem Heiligtum. Er wird seinem Volke Macht und Kraft geben.

Gloria
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
P: Kyrie eleison G: Herr erbarme dich
P: Christe eleison G: Christe erbarme dich
P: Kyrie eleison G: Herr erbarm dich über uns
P. Ehre sei Gott in der Höhe – G: Und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen

Gloria in excelsis
Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum das nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgfalln Gott an uns hat, nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.
P: Der Herr sei mit euch - G: Und mit deinem Geist.

Kollektengebet
Gott, der Du uns tröstest in unserer Angst, sei uns gnädig und erhöre unser Gebet. Du hast Jesus Christus von den Toten auferweckt und uns damit das ewige Leben gegeben. In der Überwindung des Todes zeigst Du deine Kraft und Macht. Wir bitten Dich, erhalte uns in unserem Glauben, bestärke in diesem Gottesdienst unsere Hoffnung, dass uns niemand und nichts dieses Leben in Gemeinschaf mit Dir wieder entreißen kann. Sie Du ein Trost für alle Traurigen, Kraft für die Schwachen und höre die Bitten aller, die unter ihrer Lebenslast zu tragen haben. Lass uns hier alle den Atem des Lebens wiederentdecken! Das bitten wir dich durch Jesus Christus, der mit Dir und dem Heiligen Geist uns Kraft gibt, heute, morgen und alle Zeit. Amen

Lied EG 364, 1.2.4 Was mein Gott will gescheh allzeit 

Die Lesung des heutigen 16. Sonntages nach Trinitatis steht im 2. Brief an Thimotheus

Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Selbstzucht. So schäme dich also nicht, Zeugnis von unserm Herrn abzulegen; auch meiner nicht, der ich um seinetwillen ein Gefangener bin, sondern nimm an den Leiden für die Heilsbotschaft teil nach Maßgabe der Kraft Gottes, der uns errettet hat und berufen mit einer heiligen Berufung, nicht auf Grund unserer Werke, sondern nach seinem Vorsatz und nach seiner Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten verliehen, jetzt aber durch die Erscheinung unsers Retters Jesus Christus geoffenbart worden ist. Der hat die Macht des Todes vernichtet, dafür aber Leben und unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch die Heilsbotschaft.

Hallelujavers Halleluja. Wir haben einen Gott, der hilft, einen Gott, der vom Tod errettet. (Psalm 68,21) Halleluja. Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja

Lied EG 346 Such wird a will ein ander Ziel 

Die Lesung des Evangeliums steht im Johannesevangelium im 11. Kapitel
P+G: Ehre sei dir Herre
Es lag aber ein Mann krank darnieder, Lazarus von Bethanien, aus dem Dorfe, in welchem Maria und ihre Schwester Martha wohnten... Da sandten die Schwestern zu Jesus und ließen ihm sagen: »Herr, siehe, der, den du lieb hast, der ist krank!« Als Jesus das vernahm, sagte er: »Diese Krankheit führt nicht zum Tode, sondern dient zur Verherrlichung Gottes, weil der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werden soll.« Jesus hatte aber die Martha und ihre Schwester und auch den Lazarus lieb. Als er nun von dessen Krankheit gehört hatte, blieb er zunächst noch zwei Tage an dem Orte, wo er sich befand; dann erst sagte er zu seinen Jüngern: »Wir wollen wieder nach Judäa ziehen!« Die Jünger erwiderten ihm: »Rabbi, soeben erst haben die Juden dich steinigen wollen, und nun willst du wieder dorthin gehen?« Jesus antwortete: »Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wenn man am Tage wandert, stößt man nicht an, weil man das Licht dieser Welt sieht; wenn man aber bei Nacht wandert, stößt man an, weil man kein Licht in sich hat, um zu sehen.« So sagte er und fuhr dann fort: »Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen; aber ich gehe hin, um ihn aus dem Schlaf zu wecken.« Da erwiderten ihm die Jünger: »Herr, wenn er eingeschlafen ist, wird er wieder gesund werden.« Jesus hatte den Tod des Lazarus gemeint, sie dagegen waren der Meinung, er rede vom gewöhnlichen Schlaf. Da sagte Jesus ihnen denn mit klaren Worten: »Lazarus ist gestorben, und ich freue mich euretwegen, dass ich nicht dort gewesen bin, damit ihr glauben lernt. Doch nun lasst uns zu ihm gehen!« Da sagte Thomas, der auch den Namen ›Zwilling‹ führt, zu seinen Mitjüngern: »Lasst uns hingehen, um mit ihm zu sterben!« Als nun Jesus hinkam, fand er ihn schon seit vier Tagen im Grabe liegen. Bethanien lag aber in der Nähe von Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien von dort entfernt; darum hatten sich viele von den Juden bei Martha und Maria eingefunden, um sie über den Tod ihres Bruders zu trösten. Als nun Martha von der Ankunft Jesu hörte, ging sie ihm entgegen; Maria aber blieb im Hause sitzen. Da sagte Martha zu Jesus: »Herr, wärest du hier gewesen, so wäre mein Bruder nicht gestorben! Doch auch so weiß ich, dass Gott dir alles gewähren wird, um was du Gott bittest.« Jesus erwiderte ihr: »Dein Bruder wird auferstehen!« Martha antwortete ihm: »Ich weiß, dass er bei der Auferstehung am jüngsten Tage auferstehen wird.« Jesus entgegnete ihr: »Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auch stirbt, und wer da lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben! Glaubst du das?« Sie antwortete ihm: »Ja, Herr, ich habe den Glauben gewonnen, dass du Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.«… Jesus sagte: »Hebt den Stein weg!« Martha, die Schwester des Verstorbenen, erwiderte ihm: »Herr, er ist schon in Verwesung; es ist ja schon der vierte Tag seit seinem Tode.« Jesus entgegnete ihr: »Habe ich dir nicht gesagt, dass, wenn du glaubst, du die Herrlichkeit Gottes sehen wirst?« Da hoben sie den Stein weg; Jesus aber richtete die Augen empor und betete: »Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast! Ich wusste wohl, dass du mich allezeit erhörst; aber um des Volkes willen, das hier rings steht, habe ich’s gesagt, damit sie zum Glauben kommen, dass du mich gesandt hast.« Nach diesen Worten rief er mit lauter Stimme: »Lazarus, komm heraus!« Da kam der Gestorbene heraus, an den Beinen und Armen mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch umbunden. Jesus sagte zu ihnen: »Macht ihn los und lasst ihn gehen!« Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und zugeschaut hatten bei dem, was Jesus getan hatte, wurden an ihn gläubig.
P+G: Lob sei Dir, o Christus

Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied EG 115 Jesus lebt, mit ihm auch ich 

Predigt
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Heute, ein halbes Jahr nach Ostern geht es noch einmal darum sich in Erinnerung, was die Auferstehung Jesu für uns bedeutet. Jesu Lebensmacht teilt sich mit und wird von uns mitgeteilt. Was haben wir Christen der Angst vor dem Tod, dem Vernichtungsgefühl, das uns ständig, mehr oder weniger be-drängend begleitet, entgegenzusetzen? Was erzählen uns die Geschichten von heute?

Diese Frage klingt schon im 68. Psalm an. Da werden Bilder benutzt von Einsamen, die in einem Haus beieinander wohnen, von Gefangenen, die ins Glück hinaus geführt werden, von Begleitung durch die Wüstenstrecken des Lebens und der Rückkehr in die Heimat, aus den tiefen Abgründen des Unglücks, das uns ersäufen will.
Verstärkt wird es durch die alttestamentliche Lesung aus den Klageliedern Jeremias. Dort tauchen Bilder von Menschen auf, die ihr Joch tragen müssen, das so schlimm ist, dass sie es nur noch einsam und schweigend ertragen können, da ist von Menschen die Rede, die mit ihrem Gesicht „im Dreck liegen“, weil sie der Gewalt willkürlich beschämend ausgesetzt sind.
So haben Menschen schon zu biblischen Zeiten die Welt und ihr Leben erfahren müssen. Diese Erfahrungen sind nicht weit von denen entfernt, die auch wir heute machen.
Für uns kommen dann die Bilder aus den Nachrichten, vom brennenden Lager in Moria, von überfüllten Schiffen im Mittelmeer, von prügelnden Polizisten in Belarus. Sogar schwangere Frauen werden nicht verschont. Wir könnten die Aufzählung fortsetzen – Solche Bilder schnüren einem die Kehle zu.

Aber nicht in der weiten Welt, auch ganz nahe bei uns sehen wir Menschen, die „Gras fressen“ müssen, deren Joch so schwer ist, dass sie es nur noch einsam und schweigend ertragen können, sind mit Menschen zusammen, die der Angst und Willkür ausgesetzt sind.

Manchmal sind wir es sogar selber, die solches und noch viel mehr erlitten haben oder erleiden müssen. Wir alle könnten, denke ich die Dramaturgie des Todes in unserem Leben berichten.

Haben wir Christen der Angst vor der Vernichtung, die uns ständig, mehr oder weniger be-drängend begleitet, etwas entgegenzusetzen?

Bill Gates, der in letzter Zeit so gescholtene und mit abstrusen Phantasien behaftete, hat mal gesagt: „Wer die Bilder beherrscht, beherrscht die Köpfe der Menschen.“ Er weist darauf hin, dass die Bilder, die wir in unseren Köpfen haben darüber entscheiden, was wir dem Tod in unserem Leben entgegensetzen können.

Sie wissen, ich habe einige Zeit in Omsk, Sibirien gelebt. In Omsk war auch F. M. Dostojewski. Die Stadt war ein Umschlagplatz für die Verbannten. Dort warteten sie darauf, an ihren endgültigen Verbannungsort gebracht zu werden. In seinen „Aufzeichnungen aus dem Totenhaus“ beschreibt er die ersten Tage seiner Gefangenschaft in Omsk. Lesen sie sie nicht am Abend, sonst können sie die Nacht nicht ruhig schlafen!
Dostojewski berichtet in seinem Tagebuch eines Schriftstellers an ein solches inneres Bild, das sein Erleben verändert hat. Es war der zweite Ostertag, ein arbeitsfreier Tag und alle anderen verbrachten diesen Tag mit Trinken und Spielen, um ihre unglückliche Lage vergessen zu machen. Dostojewski liegt auf seiner Pritsche und ihm fällt eine Begebenheit ein, als er im Alter von neun Jahren in seiner Heimat am Rande eines Waldes spielte. Plötzlich ruft jemand: „Ein Wolf kommt!“ Dostojewski erschrickt zu Tode, läuft in seiner Angst zu einem Bauern, der in der Nähe unter Mühen sein Feld pflügt. Atemlos keucht er: „Ein Wolf kommt!“ Der Bauer streicht ihm über die Haare und sagt: „Na sieh mal, du hast dich aber erschreckt! Lass man gut sein Jungchen… Christus ist mit dir!“
Ich lese diese Zeilen wie einen Kommentar zu unseren heutigen Geschichten, besonders dem Evangelium, der Geschichte von der Auferweckung des Lazarus.

„Als ich…von der Pritsche aufstand und um mich schaute, fühlte ich plötzlich, ich weiß es noch, dass ich diese Unglücklichen mit ganz anderem Blick betrachten konnte, und dass auf einmal wie durch ein Wunder jeder Hass und jede Wut aus meinem Herzen verschwunden waren. Ich ging und beobachtete aufmerksam die Gesichter, denen ich begegnete. Dieser Kerl mit dem rasierten Schädel und dem gebranntmarkten Gesicht, der betrunken mit heiserer Stimme sein Lied gröhlt, kann doch vielleicht auch so ein Bauer sein…“

Die Bilder, die wir im Kopf haben, weiß Bill Gates sehr richtig, bestimmen wie wir uns inmitten dieser Welt fühlen und was wir schon jetzt der Angst vor dem Vernichtungsgefühl entgegensetzen können.

Jesus sagt in unserem heutigen Evangelium: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder der lebt, und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben.“

Jesus meint damit auch eine Auferstehung aus dem Reich der Verbannung und des Todes in dieses unser irdisches Leben schon jetzt hinein. Eine Auferstehung, die schon jetzt stattfinden kann.

Und dann erfahren wir: der Tod ist nicht mehr! Alles was der Tod an Macht hat, die würgende Angst, die drückende Schuld, die unendlich scheinende Trauer über das, was unser Leben und das Leben der anderen Menschen zur Hölle macht, kann überwunden werden in der Gewissheit des Vertrauens, dass Jesus Christus das Leben ist, wie es von Gott seit Urzeiten gewollt war.

Diese überschreitende Erfahrung der letzten Grenze, die sich inmitten unseres Lebens zieht und immer wieder das Ende zu markieren scheint, beschreibt Paulus in dem Brief an seinen Freund und Mitarbeiter Timotheus. Die wir gehört haben:
Denn der Heilige Geist, den Gott uns geschenkt hat, ist nicht ängstlich, sondern kräftig, voll Liebe und Klugheit … Er hat uns von allem, was Angst macht befreit und uns berufen, so dass wir nicht mehr wie die anderen sind, sondern heilig, weil wir Gott gehören, und geadelt durch Gottes Gnade… Er hat uns ganz persönlich gewollt, und seine Absicht war es schon vor ewigen Zeiten, uns ganz eng an Jesus Christus zu binden. Diese Gnade Gottes ist erst jetzt sichtbar geworden, da Jesus, der Messias, unser Befreier, erschienen ist. Er hat den Tod besiegt und uns Menschen durch das Evangelium mit dem Licht und der Klarheit erfüllt, die Leben, unzerstörbares Leben bedeutet. (Übersetzung K. Berger)
Paulus beschreibt die Macht und Kraft des Bildes von der Auferstehung in das Leben hinein, das die Dramaturgie des Todes in unserem Leben beendet. Dieses Bild kann uns von aller Angst befreien, ja es macht uns heilig, zu Gott selbst gehörig.

Wir fangen an, die Welt, wie grausam sie auch sein mag aus der Perspektive Gottes, mit den Augen der vergebenden Liebe zu sehen. Wir merken: Gott hat uns ganz persönlich gewollt.

Dieses Bild in unseren Köpfen verändert tatsächlich alles, wenn es zu wirken beginnt: denn wir spüren, dass wir durch Christus das ewige Leben schon jetzt in uns haben, und tun können, was Jesus getan hat und noch viel mehr!

Warum denn erregen uns die Bilder der Folteropfer in den Gefängnissen, die Bilder der Todesangst der Kinder in den Lagern, das Weinen der Mütter, die ihren Kindern nicht helfen können? Warum empören wir uns, wenn wir die prügelnden Polizisten in Belarus und den USA sehen?

Weil wir das Bild des unzerstörbaren, auferstandenen Lebens in uns tragen, das Jesus uns in seinen Tagen vorgelebt hat; weil wir seinen Geist spüren, der uns kräftig macht, klug und ganz liebend; weil wir uns nicht mehr schämen dieser grausamen Welt eine andere Welt entgegenzuhoffen; weil wir nun gewiss sind:

Gott hat uns ganz persönlich gewollt, und seine Absicht war es schon vor ewigen Zeiten, uns ganz eng an Jesus Christus zu binden. Jesus hat den Tod besiegt und uns Menschen mit dem Licht und der Klarheit erfüllt, die Leben, unzerstörbares Leben bedeutet.

Dieses Bild der Liebe möge in unseren Köpfen und Herzen seine Macht und Kraft entfalten. Dann haben wir schon jetzt Teil an der Auferstehung des Lebens – unseres Lebens! -, und von nun an können wir unsere Welt ganz und gar – liebevoll – verändern.

Gottes Heiliger Geist befestige diese Worte in euren Herzen, damit ihr das nicht nur gehört, sondern auch im Alltag erfahrt, auf dass euer Glaube zunehme und ihr endlich selig werdet, durch Jesum Christum unseren Herrn. Amen

 

Lied EG 134 Komm o komm du Geist des Lebens 

Abkündigungen
1.Am letzten Montag wurden Fleur und Ernst Keßler hier in der Capella de Nossa Senhora do Carmel im Convento Bio getraut. Wir freuen uns mit den beiden und befehlen ihren gemeinsamen Weg dem an, der sie zusammengeführt hat.

2.Der nächste Gottesdienst findet nächsten Sonntag ist der Erntedanksonntag , der 4. Oktober2020 statt. . Dazu möchten wir den Altarraum mit den Früchten schmücken, die wir in unseren Gärten ernten konnten. Wir bitten darum, dass Sie uns einiges zur Verfügung stellen. Wir möchten die Erntefrüchte im Anschluss an den Gottesdienst die Gaben an Bedürftige unserer katholischen Schwestergemeinde verteilen

3. Die aktuellen Termine finden Sie immer auf unsere Webseite.

5. Der Gesprächskreis trifft sich am Donnerstag, dem 1. Oktober im Pfarrhaus um 16 Uhr. Um Anmeldung wird gebeten. Thema: Wie Vater und Mutterbilder unser Erleben und Verhalten bestimmen.

6. Der Chor trifft sich am nächsten Donnerstag, 8. Oktober, um 19:30 Uhr.

7. Die Kollekte vom letzten Sonntag ergab 70,20 €. Die heutige Kollekte ist für unsere Gemeindearbeit bestimmt. Sie können ihre Kollekte auch auf unser Konto überweisen: IBAN PT50 0045 7063 4028 3045 9748 8 BIC CCCMPTOL

8. Herzliche Einladung zum gemeinsamen Mittagessen im Restaurant „Taste“.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Lied EG 506 Wenn ich o Schöpfer, deine Macht 

Fürbitte
P: Gott hilf uns, dass wir den Geist der Furcht immer wieder ablegen können. Stärke unseren Glauben, in dem Du uns den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit schenken willst.

A: Gott, wir glauben dich als Quelle unseres Lebens. Wir bitten um den Geist der Kraft: für Menschen, die am Boden liegen, die verzweifelt sind, trauern und den Tod fürchten, die Schmerzen haben und sich nach Heilung sehnen. Wir rufen: Kyrie eleison

B: Gott wir bitten dich um den Geist der Kraft: für die Menschen, die Neues beginnen, aufbrechen, einen langen Weg vor sich haben. Du Gott des Lebens - Höre uns. Wir rufen: Kyrie eleison

C: Gott, wir bitten um den Geist der Liebe: für die Menschen, die Kranke pflegen, die verzichten, damit andere leben, die Einfluss haben und deren Meinung zählt. Wir rufen: Kyrie eleison

D: Gott, wir bitten dich um den Geist der Besonnenheit für alle, die Verantwortung übernehmen, die über das Geschick von Menschen und Ländern entscheiden, dass sie sich für unsere Umwelt, die leidet und die Klimakatastrophe abwenden. Wir rufen: Kyrie eleison

P: Gott wir bitten dich um den Geist der Geschwisterlichkeit für unsere Gemeinden in Portugal, in Deutschland und aller Welt. Dein Geist der Liebe und des Friedens möge unsere Zusammenarbeit bestimmen. Sei mit uns heute und an allen Tagen, die du uns schenkst. Amen. Laudate omnes gentes

Vater unser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen

Demissio/Entlassung
P: Gehet hin im Frieden des Herrn – G: Gott sei ewiglich Dank
Lied EG 421 Verleih uns Frieden gnädiglich 

Segen
Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden. Amen

Musik zum Ausgang (Was willst du dich meine Geist entsetzen, BW 8)

DEKA – Deutschsprachige evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Algarve. E-Mail¬: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Web: www.deka-algarve.com
Vorsitzende: Annemarie Webster: Tel. 282 356 231.
Pastor i.R. Stephan Lorenz: Tel: : 282 341 214; Mobil: 960 244 439; +49 171 68 20 295; 8400-565 Carvoeiro Uz Sesmarias 84. Wenn Sie mich sprechen wollen, rufen oder mailen Sie mich einfach an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Unsere Gemeindearbeit finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Wir freuen uns über jede Spende auf unser Konto IBAN PT50 0045 7063 4028 3045 9748 8
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