Gedankensplitter

Monatslosung November 2020 Jeremia 31,9

בִּבְכִי יָבֹאוּ וּבְתַחֲנוּנִים אוֹבִילֵם אוֹלִיכֵם אֶל נַחֲלֵי מַיִם בְּדֶרֶךְ יָשָׁר לֹא יִכָּשְׁלוּ בָּהּ כִּי הָיִיתִי לְיִשְׂרָאֵל לְאָב וְאֶפְרַיִם בְּכֹרִי הוּא
Mit Weinen kommen sie und unter Flehen bring ich sie herbei, geleite sie zu Wasserbächen auf gradem Weg, darauf sie nimmer straucheln.
Virão com choro, e com súplicas os levarei; guiá-los-ei aos ribeiros de águas, por caminho reto em que não tropeçarão;

Geschrieben sind diese Zeilen, nach der Eroberung Jerusalems im Jahr 597 v. Christus durch den babylonischen Großkönig Nebukadnezar. Jerusalem, die Hauptstadt von des kleinen Königreichs Juda war besetzt, die Oberschicht (König, Adel, Handwerker) wie es damals üblich war, wurde, in drei Schüben, nach Babylon geführt. Der salomonische Tempel zerstört. Heilige Geräte Beute der Sieger. Die jüdische Religion hatte ihren Mittelpunkt verloren. Exil hieß, dass die Juden in Babylonien in eigenen, selbstverwalteten Kolonien angesiedelt wurden. Handel, Bankgeschäfte war ausdrücklich erlaubt. Manche machten Karriere am Hof des Großkönigs. Alles spricht für eine rasche Assimilation in das babylonische Reich der vielen Völker. Damit aber stand die Frage im Raum, wie bei aller Angleichung die eigene religiöse und soziale Identität zu bewahren sei. Die Antwort darauf war abhängig davon, wie die Eroberung zu verstehen sei. Die Theologen, zu denen auch Jeremia gehörte, stritten über die Deutungshoheit. Ein Gegenspieler Jeremias ist Hananja. Er sagte eine kurze Dauer des Exils von zwei Jahren voraus, dann würden alle zurückkommen. Jeremias Antwort war deutlich: „Gott hat dich nicht gesandt, du machst, dass sich die Leute auf Lügen verlassen.“ Jeremia schreibt einen Brief an die Exilierten, in dem er ihnen rät, sich in Babylon gut einzurichten, Häuser zu bauen und der Stadt Bestes zu suchen. (Monatslosung Oktober 2020), denn mindesten 70 Jahre würde das Exil dauern. Es dauerte tatsächlich bis 539, also 48Jahre. Aber es werde die Zeit kommen, dass sie zurückkommen können. Jerusalem werde wieder aufgebaut. „Sie werden nicht mehr Fremden dienen, sondern Gott …“ (Jer. 30,9). Fremden Herren zu dienen als Deutung des Exils. Wenn Juda fremden Göttern dient, wendet es sich von der Quelle allen Lebens ab. Leben wird zur Strafe. Sich von Gott abwenden eine Selbstverletzung. Jeremia macht Hoffnung. Gott habe Israel immer geliebt (31,3). Er werde einen neuen Bund mit Israel schließen (31,31). Die jüdischen Theologen setzten Jeremias Worte auf ihre Art um. Traten in einen Diskurs mit ihren babylonischen Kollegen ein. Aus diesem Dialog entstand die biblische Schöpfungsgeschichte und eine Revision des mosaischen Gesetzes, die דְּבָרִים ‚Devarim‘, uns bekannt als Deuteronomium (5. Buch Mose). Schlüsselbegriffe sind Lehren und Lernen. Israel als beständige Lerngemeinschaft. Sie ersetzt den Opferkult des Tempels. Diese religiöse Lerngemeinschaft sicherte die Identität der Juden in der Diaspora, das griechische für die Zerstreuung der Juden in der ganzen Welt. Hebräisch גלות (Galut). Hier sind auch die Ursprünge für den synagogalen Gottesdienst zu suchen, aus dem später der christliche Gottesdienst hervorgehen sollte. Die Gemeinde lehrt und lernt gemeinsam das Leben-schaffende Wort Gottes, singt Psalmen und betet. Nichts anderes ist Gottesdienst heute. So könnte man denn auch im übertragenden Sinn Jeremia verstehen: Aus Klagen und Weinen bringt Gott uns durch sein Wort zu Wasserbächen, und auf Wege, auf denen Menschen nicht mehr straucheln.

Pastor em. J.-Stephan Lorenz, Uz. Sesmarias, lote 84, 8400-565 Carvoeiro (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! – 351 960 244 439)

Ich wünsche Ihnen einen schönen November!

 

 

 

Deutschsprachige Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Algarve (DEKA)

Gottesdienst am 1. Advent, 29.  November 2020

 

Geläut 

Musik

( BW36 Der du bist dem Vater gleich, Führ hinaus den Sieg im Fleisch, Daß dein ewig Gott'sgewalt In uns das krank Fleisch enthalt.)

Salutatio:
P: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, P+G: der Himmel und Erde gemacht hat. Amen

Euer König kommt zu euch! Er ist gerecht vor Gott, und er bringt die Rettung. Sacharja 9

Confiteor:
Im Psalm 50 heißt es: Unser Gott kommt und schweigt nicht. Wir hören diese Worte, nur allzu oft ist doch unsere Erfahrung: Gott schweigt. Schweigt zu unseren Tränen, wenn wir Angst haben, ja wenn wir ihn anrufen. Wie oft fragen wir, wo bist DU, Gott? So nehmen wir unser Leben in die eigene Hand. Und trotzdem kommen wir hier im Gottesdienst zusammen, um ein ermutigendes Wort zu hören, und unterscheiden zu lernen für das, was wir tun können und dem, was in Gottes Hand alleine liegt. Wir bitten am Anfang: Gott, erbarme dich unser, vergib uns unseren kleinen Glauben und führe uns zum ewigen Leben. Lass uns diesen Gottesdienst mit einem unbeschwerten Herzen und fröhlichen Lippen feiern durch Christum, unseren Herrn. Und wir erhalten gleich zu Beginn die Antwort, die sich durch diesen ganzen Gottesdienst bestätigen möge: Gott hat sich schon lange unserer erbarmt, durch Jesus Christus hat er uns vergeben. Alle, die das glauben können sind Gottes Kinder und sein Heiliger Geist wird mit ihnen sein. Und der wird selig werden. Das verleihe Gott uns allen. Amen.

Lied 1 Macht hoch die Tür 

Psalm 24
Hosianna, dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt im Namen Gottes! Hosianna in der Höhe!
Schaut auf, ihr Tore, und öffnet euch weit; schwingt auf, ihr ewigen Pforten: Der König zieht ein, mit Ehre geschmückt!"
"Wer ist dieser König, so herrlich geehrt?" "Es ist Gott, mächtig und stark, Gott, der Sieger im Kampf!"
"Schaut auf, ihr Tore, und öffnet euch weit; schwingt auf, ihr ewigen Pforten: Der König zieht ein, mit Ehre geschmückt!"
"Wer ist dieser König, so herrlich geehrt?" "Es ist Gott, von Heeren umringt! Er ist der König, herrlich geehrt!"
Freue dich sehr, du Tochter Zion, und jauchze, du Tochter Jerusalem! Siehe dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.

Gloria
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
P: Kyrie eleison G: Herr erbarme dich
P: Christe eleison G: Christe erbarme dich
P: Kyrie eleison G: Herr erbarm dich über uns
P. Ehre sei Gott in der Höhe – G: Und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen

Gloria in excelsis
Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum das nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgfalln Gott an uns hat, nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.
P: Der Herr sei mit euch - G: Und mit deinem Geist.

Kollektengebet
Gott, der Du uns tröstest in unserer Angst, sei uns gnädig und erhöre unser Gebet. Wir warten auf dein Kommen. Du kennst unsere Situation, unser Leiden, unsere Sorgen, unsere Ängste.  Wir sehnen uns nach Gesundheit, nach Geborgenheit, danach, dass DU uns anschaust. Wann wirst du kommen, um uns zu erneuern? Wann wirst Du das Schreien der Verzweifelten hören und die Angst der Menschen trösten?
Du allein kannst helfen, wir hoffen auf Dich und dein Kommen.  Das beten wir im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit Dir und dem Heiligen Geist uns Kraft gibt heute und morgen. Amen

Lied EG 7 O Heiland reiß die Himmel auf 

Die Lesung des heutigen 1. Advent steht im Brief des Paulus an die Christen in Rom (13, 8-12):
Abgesehen davon, dass ihr einander lieben sollt, bleibt keinem etwas schuldig! Wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt. Denn das Gesetz sagt: "Du sollst die Ehe nicht brechen, du sollst niemand ermorden, du sollst nicht stehlen, du sollst der Begierde keinen Raum geben." Diese und alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses an. Darum wird durch die Liebe das ganze Gesetz erfüllt. Achtet also auf die Gelegenheiten, die Gott euch gibt. Es ist höchste Zeit, aus dem Schlaf aufzuwachen, denn jetzt ist unsere Rettung noch näher als damals, als wir zum Glauben kamen. Die Nacht geht zu Ende, bald ist es Tag. Darum wollen wir uns von allem trennen, was man im Dunkeln tut, und die Waffen des Lichts ergreifen!

Hallelujavers Halleluja. Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. Unser Gott kommt und schweiget nicht. Halleluja. (Psalm 50,2.3)

Lied EG 11 Wie soll ich dich empfangen

Die Lesung des Evangeliums steht bei Matthäus im 21. Kapitel (1-11)
P+G: Ehre sei dir Herre
Als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, kurz vor Betfage am Ölberg, schickte Jesus zwei Jünger voraus. "Geht in das Dorf", sagte er, "das ihr dort vor euch seht! Gleich, wenn ihr hineingeht, werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie her. Sollte jemand etwas zu euch sagen, dann antwortet einfach: 'Der Herr braucht sie und wird sie nachher gleich wieder zurückbringen lassen.'"Das geschah, weil sich erfüllen sollte, was der Prophet gesagt hat: "Sagt der Tochter Zion: Dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig und reitet auf einem Esel, und zwar auf dem Fohlen, dem Jungen des Lasttiers." Die beiden machten sich auf den Weg und führten alles so aus, wie Jesus es ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Fohlen. Dann legten sie ihre Umhänge über die Tiere, und er setzte sich auf das Fohlen. Sehr viele Menschen breiteten jetzt ihre Umhänge auf dem Weg aus, andere hieben Zweige von den Bäumen ab und legten sie auf den Weg. Die Leute, die vorausliefen, und auch die, die Jesus folgten, riefen: "Hosianna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Hosianna, Gott in der Höhe!" Als Jesus in Jerusalem einzog, kam die ganze Stadt in Aufregung, und alle fragten: "Wer ist dieser Mann?" Die Menge, die Jesus begleitete, antwortete: "Das ist der Prophet Jesus aus Nazaret in Galiläa.
P+G: Lob sei Dir, o Christus

Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied EG 13 Tochter Zion 

Predigt
Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Als Helmut Kohl im Wahlkampf 1990 den Menschen in den neuen Bundesländern ‚blühende Landschaften‘ versprach, haben das manche so verstanden, als kämen sie vom realexistierenden sozialistischen Arbeiterparadies direkt ins kapitalistische. Goldige Zeiten würden anbrechen. Was kam, war die Treuhand, die Abwicklung vieler maroder Betriebe, Arbeitslosigkeit, eine radikale Umstellung, die bei breiten Teilen der Bevölkerung in Enttäuschung mündete. Der Hörfehler - Paradies statt blühender Landschaften – war eine Selbst-Täuschung.

Ähnlich mag es wohl den Juden ergangen sein, die nach dem Ende des babylonischen Exils in das Land ihrer Väter und Mütter zurückkehrten. Sie kamen aus dem reichen Babylonien in ein armes, wüstes Land. Jerusalem war ein Dorf, eher ein Trümmerhaufen. Der Aufbau wollte nicht recht gelingen. Das politische System war instabil, die sozialen Spannungen zwischen den Rückkehrern und denen, die im Land bleiben mussten, waren extrem. Armut und Ungerechtigkeit überall. Die Enttäuschung, die Selbst-Täuschung auch hier ziemlich groß.

Was tun? Menschen brauchen, wenn sie eine schwierige Lage bewältigen wollen, eine Vision. Stalin hatte seine Vision. Er wollte den sozialistischen Menschen das ‚Fliegen‘ beibringen. Man schätzt, dass 50 Millionen Menschen dabei abgestürzt sind. Hitler hatte seine vom ‚Lebensraum im Osten‘ und der Ausrottung jüdischer Menschen. Über 20 Millionen, darunter 6 Millionen Juden hat sie das Leben gekostet. Trump hat seine Vision von ‚America first‘. 260. 000 Menschenhaben sie mit ihrem Leben bezahlt. Viel Vertrauen ist verspielt worden. Solche Visionen bringen vielfachen Tod und Verderben.

Gibt es heilbringende Visionen? Wir hören eine aus dem Buch des Propheten Sacharja. Im hebräischen ist es ein poetischer Text. Ein Gedicht. Ich lese sie zuerst in der Übersetzung von Martin Luther:

Aber du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel und auf einem jungen Füllen der Eselin. Denn ich will die Wagen abtun von Ephraim und die Rosse von Jerusalem, und der Streitbogen soll zerbrochen werden; denn er wird Frieden lehren unter den Heiden; und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis ans andere und vom Strom bis an der Welt Ende
Jede Übersetzung beruht auf einem bestimmten, von eigenen Vorerwartungen bestimmten Hören. Deshalb lese ich jetzt zum Vergleich die Übersetzung von Martin Buber:

Juble sehr, Tochter Zion, schmettre, Tochter Jerusalem! Nun kommt dir dein König, ein Erwahrter und Befreiter ist er, ein Gebeugter, und reitet auf dem Esel, auf dem Füllen, dem Grautierjungen. ‚Streitgefährt tilge ich aus Efrajim, Roßmacht aus Jerusalem, ausgetilgt wird der Bogen des Kriegs.‘ - Er redet den Weltstämmen Frieden, von Meer zu Meer ist sein Walten, vom Strom bis an die Ränder der Erde.

Beide Übersetzungen treffen den Kern der Botschaft des Propheten. Die Menschen im Trümmerhaufen Jerusalem sollen sich freuen, ein König kommt und mit ihm Frieden und Gerechtigkeit. Wegtun wird er alle Waffen, mit denen sich Menschen Verderben und Tod bringen können.

Aber, es gibt einem wichtigen Unterschied in beiden Übersetzungen. Er betrifft nur ein Wort. Luther übersetz: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm…“. Buber übersetzt: „Nun kommt dir dein König, ein Erwahrter und Befreiter ist er, ein Gebeugter.“

Luther charakterisiert den kommenden König als ‚arm‘. Er hebt den Kontrast zu den reichen Fürsten, ja besonders zum reichen, geldgierigen Stellvertreter Christi, dem Papst hervor. Das verstand zu seiner Zeit jeder. Der Reichtum der Kirche, der Bischöfe und Mönche und die Armut der Menschen waren überall sichtbar.

Buber bleibt näher am hebräischen Urtext, wenn der den kommenden König als ‚Gebeugten‘ beschreibt. Der Kontrast wird noch schärfer, wenn man bedenkt, dass der Esel keineswegs das Reittier der Armen war, sondern durchaus auch das der Könige. Da kommt ein König mit allen Insignien der Macht, aber dieser König ist ein Gebeugter. Das heißt, der kommende König ist einer, der weiß wie es den Menschen in Jerusalem geht. Sie selber sind vom Leben gebeugte, geschundene Gestalten. Er spricht die Sprache, die ihrem Erleben entspricht. Und ist doch ein Befreiter. Von Selbsttäuschung freier Mensch.

Gerade weil er ein gebeugter König ist, ist er frei, ist seine Botschaft glaubwürdig. Im jüdischen gibt es das Sprichwort: ‚In oder to be a Prophet, you must be broken of heart. Ein Prophet sein geht nur mit gebrochenem Herzen.‘ Ein solcher kann Frieden bringen, alle Geräte wegschaffen, die Menschen Unheil und Tod bringen. Solche ein kommender, erwarteter König bringt Frieden für alle Menschen. Ein Aufatmen durchhaucht diesen Text.

Das ist eine andere Vision als die der Stalins, Hitlers und Trumps.

Die ersten Christen, die die Katastrophe der Kreuzigung, den schmachvollen Tod Jesu, und seine Auferstehung verkündeten, haben die Vision Sacharjas mit ihren Ohren gehört und verstanden. Den gleichen Text lesen sie im Kontext ihres Erlebens: Jesus ist der erwartete König in niederen Hüllen, gebeugt durch hartes Leben, ein Befreiter, sogar so frei, für seine Leute zu sterben.

Matthäus komponiert seine Einzugsgeschichte (das Evangelium des heutigen Tages) genau nach dieser Stelle des Propheten Sacharja. (Math. 21,4). Er erzählt, Jesus kommt nach Jerusalem und beauftragt seine Jünger einen Esel zu besorgen. „Das geschah aber alles, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: ‚Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir arm und gebeugt, und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin.‘ “

Die Frage, die sich für mich stellt: Wie hören und verstehen wir diese Stelle aus dem Mund des Propheten Sacharja? Das wird jede und jeden von uns anders hören und verstehen. Ich will meine Antwort versuchen.
Heute, am 1. Advent beginnt ein neues Kirchenjahr - mit einer Buß- und Fastenzeit bis zum Weihnachtsfest. Die Farbe Lila des Antependiums macht‘s deutlich.
Mir ist eine Buß- und Fastenzeit ganz sympathisch. Obwohl jeder hier weiß, dass ich keiner bin, der vorschnell in Sack- und Asche geht oder gerne Verzicht leistet. Eine Buß- und Fastenzeit aber setzt bewusst einen anderen Akzent als das triebhafte vorweihnachtliche Konsumieren, das uns die Weihnachtsindustrie anempfiehlt. Die finde ich geradezu ekelhaft. Dabei leitet mich, dass das deutsche Wort Buße mit dem altdeutschen Wort ‚baß‘, „besser“ verwandt ist. ‚Baß‘ bedeutet ursprünglich „Nutzen, Vorteil“. Darum geht es mir. Zeit haben, zu überlegen, was ich, wir besser machen können. Zeit haben, dem nachzugehen, was unser Leben nützlicher, vorteilhafter machen kann. Was ist dem Leben dienlich ist, und was kann man getrost sein lassen? So verstanden ist Buße Qualitätssicherung meines, unseres Lebens.

Dabei könnte uns das leiten, was Paulus den römischen Christen geschrieben hat: (Römer 13, 8-12)
Abgesehen davon, dass ihr einander lieben sollt, bleibt keinem etwas schuldig! Wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt. Das lässt sich in einem zusammenfassen: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses an. Darum wird durch die Liebe das ganze Gesetz erfüllt. Achtet also auf die Gelegenheiten, die Gott euch gibt. Es ist höchste Zeit, aus dem Schlaf aufzuwachen, denn jetzt ist unsere Rettung noch näher als damals, als wir zum Glauben kamen. Die Nacht geht zu Ende, bald ist es Tag. Darum wollen wir uns von allem trennen, was man im Dunkeln tut, und die Waffen des Lichts ergreifen!

Buße ist Zeit, auf Gelegenheiten in meinem Leben zu achten, die Gott mir gibt, Liebe zu üben. Wach zu werden für den, der mich errettet, mir die Schuld vergibt. Wach zu werden für die Armen und Gebeugten. Sich von dem zu trennen, was das Dunkel dieser Welt vertieft. Lichter anzuzünden, damit es heller wird.

Das wäre ja vielleicht eine Vision, die trägt und Leben und Frieden bringt. Ich bin gespannt, wie Sie die Vision des Propheten Sacharja verstehen mögen.

Gottes Heiliger Geist befestige diese Worte in euren Herzen, damit ihr das nicht nur gehört, sondern auch im Alltag erfahrt, auf dass euer Glaube zunehme und ihr selig werdet, durch Jesum Christum unseren Herrn. Amen

Lied 4 Nun Kommt der Heiden Heiland 

Abkündigungen:
1.Der nächste Gottesdienst findet nächsten Sonntag dem 1. Advent, dem Nikolaustag, am 6.Dezember statt.

2. Die aktuellen Termine finden Sie immer auf unsere Webseite www.deka-algarve.com

3. Auf Beschluss des Kirchenvorstandes finden auf Grund der kritischen Pandemielage weder Chorproben noch die Treffen des Gesprächskreises statt.

4. Der Kirchenchor wird aus dem oben genannten Grund nicht in den Gottesdiensten, auch nicht im Weihnachtsgottesdienst singen. Fall die Bischofskonferenz die Gottesdienste zum Weihnachtsfest absagen sollte, wird sich unsere Gemeinde dem anschließen.

5. Berichten im Rundfunk zufolge droht weiten Teilen der Bevölkerung eine große Armut. Aus diesem Anlass weisen wir auf die Lebensmittelspenden hin, die die katholische Gemeinde verteilt. Jeder kann etwas tun.

6. Die Kollekte des letzten Sonntages ergab 50,54 €. Gott segne Geber und Gaben. Die heutige Kollekte ist für unsere Gemeindearbeit bestimmt. Sie können ihre Kollekte auch auf unser Konto überweisen: IBAN PT50 0045 7063 4028 3045 9748 8 BIC CCCMPTOL

Und der Friede Gottes, der höher ist, als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Lied EG 3 Gott heilger Schöpfer aller Stern 

Fürbitte
P: Gott, Jesus Christus ist für uns der Gesalbte, der kommt, in niedrigen Hüllen, gebeugt, einer der weiß, wie es armen, vom Leben gezeichneten Menschen gehen kann. Wir rufen: Kyrie eleison

A: Jesus Christus, wir warten auf dich, auf das Ende der Pandemie,
auf das Schweigen der Waffen, die Versöhnung der Verfeindeten,
die Gerechtigkeit für die Verachteten, die Großzügigkeit der Glücklichen, die Heilung der Wunden, das Versiegen der Tränen, auf das Ende des Sterbens, auf Trost, Liebe und Frieden.
Wir rufen: Kyrie eleison

B: Jesus Christus, wir warten auf dich. Komm, damit die Kranken aufatmen, die Mächtigen weise werden, Friedensstifterinnen Erfolg haben, Obdachlosen Schutz finden, Armen satt werden.
Komm, damit die tödliche Gewalt aufhört, und unsere Kinder dem Leben trauen können. Wir rufen: Kyrie eleison

P: Jesus Christus, wir wollen lernen, es besser zu machen. Komm, damit wir wieder singen. Verwandle unseren Kleinglauben, hilf unseren Tränen. Du sprichst: Friede sei mit euch. Bringst Heil und Leben. Komm. Amen. Laudate omnes gentes

Vater unser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen

Demissio/Entlassung
P: Gehet hin im Frieden des Herrn – G: Gott sei ewiglich Dank
Lied EG 421 Verleih uns Frieden gnädiglich 

Segen
Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden. Amen

Musik zum Ausgang 

(BW 63 Nun kommt der Heiden Heiland)

DEKA – Deutschsprachige evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Algarve. E-Mail¬: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Web: www.deka-algarve.com
Vorsitzende: Annemarie Webster: Tel. 282 356 231.
Pastor i.R. Stephan Lorenz: Tel: : 282 341 214; Mobil: 960 244 439; +49 171 68 20 295; 8400-565 Carvoeiro Uz Sesmarias 84. Wenn Sie mich sprechen wollen, rufen oder mailen Sie mich einfach an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Unsere Gemeindearbeit finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Wir freuen uns über jede Spende auf unser Konto IBAN : PT50 0045 7063 4029 9611 0208 7 SWIFT/BIC : CCCMPTPL - BIC CCCMPTOL

 

 

 

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