Gedanken zur Monatslosung März 2019 1. Samuel 7,3

וַיֹּאמֶר שְׁמוּאֵל אֶל כָּל בֵּית יִשְׂרָאֵל לֵאמֹר אִם בְּכָל לְבַבְכֶם אַתֶּם שָׁבִים אֶל יְהוָה הָסִירוּ אֶת

אֱלֹהֵי הַנֵּכָר מִתּוֹכְכֶם וְהָעַשְׁתָּרוֹת וְהָכִינוּ לְבַבְכֶם אֶל יְהוָה וְעִבְדֻהוּ לְבַדּוֹ וְיַצֵּל אֶתְכֶם מִיַּד פְּלִשְׁתִּים

Se com todo o vosso coração vos converterdes ao SENHOR, tirai dentre vós os deuses estranhos e os astarotes, e preparai o vosso coração ao SENHOR, e servi a ele só, e vos livrará …

Wenn ihr mit ganzem Herzen zurückkehren wollt zum Ewigen, so schafft die Götter der Fremde aus eurer Mitte fort und die Astarten und richtet euer Herz zum Ewigen und dient ihm allein; dann wird er euch erretten…

So ist das mit uns Menschen. Wenn wir in Not sind, greifen wir zu allem, was Hilfe verspricht. Wir sind nicht wählerisch. Die Menschen im alten Israel waren nicht anders. Sie lebten in ständigen Auseinandersetzungen mit den Philistern. Viele Orte waren verloren, noch mehr Menschen umgekommen. Und nun war wieder eine große Armee im Anmarsch. Die Israeliten hatten Angst. Da fiel ihnen Samuel ein. Er war ihr oberster Richter. Und hatte einen guten Draht zu Gott. Der sollte die drohende Katastrophe abwenden. Sein Rat: Im Leben, in der Beziehung zu Gott, hilft viel nicht immer viel. Es geht nicht immer so gut aus wie in der Komödie „Der Diener zweier Herren“ von Carlo Goldoni, 1746 in Mailand uraufgeführt. Vielleicht ist es für die Politik manchmal hilfreich, sich verschiedene Optionen offen zu halten, für unsere Beziehungen scheint es weniger hilfreich. Samuel rät, ganz allein Gott zu vertrauen. Kein religiöser Firlefanz mehr. Wie in unseren intimen Zweierbeziehungen. Ein Dreieck ist nicht nur in der Mathematik eine schwierige Aufgabe. Jesu nimmt in der Bergpredigt den Gedanken wieder auf. „Niemand kann zwei Herren gleichzeitig dienen. Wer dem einen richtig dienen will, wird sich um die Wünsche des anderen nicht kümmern können. Er wird sich für den einen einsetzen und den anderen vernachlässigen. Auch ihr könnt nicht gleichzeitig für Gott und das Geld leben.“ (Math.6,24/Lk. 16,13)

Für die Israeliten ging die Sache gut aus. Das Heer der Philister erlitt eine Niederlage. Das verlorene Land konnte zurückerobert werden. Der Rat Samuels möge auch für uns gelten: Gott alleine zu vertrauen. Ob Gottvertrauen trägt, zeigt sich besonders in Extremsituationen. Dietrich Bonhoeffer saß wegen seines Widerstands gegen die Nationalsozialisten in Haft, als er die Verse dichtete: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns, am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Das ist kein blinder Optimismus. Es ist nicht das naive „Alles wird schon gut gehen“. Bedeutet nicht, alle Vorsicht fahren zu lassen, Eigeninitiative zu vermeiden, Verantwortung abzuschieben. Bonhoeffer wusste sehr wohl, dass seine Lage aussichtslos war, gleichwohl fühlt er sich geborgen. Gottvertrauen in einer Lage, die objektiv betrachtet hoffnungslos war. Bonhoeffers Vertrauen in Gott wird nicht einmal durch die ­Menschen erschüttert, die ihm Haft und Verfolgung bescheren und die ihn im KZ Flossenbürg später erhängen sollten.

Ich wünsche Ihnen den Mut, im Leben alleine Gott zu vertrauen. Denn „ER wird’s wohl machen.“ (Psalm 37,5)

Pastor em. J.-Stephan Lorenz, uz.Sesmarias lote 84, 8400-565 Carvoerio, +49 171 68 20 295,stephan.lorenz@evlka.d

 

 

 

Okuli –Text Epheser 5, 1-8.14

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Der heutige 3. Sonntag in der Passions- und Fastenzeit hat den lateinischen Namen Okuli. Früher hat man die Sonntage nach den Anfangsworten der Psalmen unterschieden hat. Im 25. Psalm heißt es:

"Meine Augen (okuli) sehen stets auf den Herrn, denn er wird meinen Fuß aus dem Netz ziehen."

Den Predigttext für heute haben wir schon gehört.

„Eifert Gott nach. Ihr seid seine Kinder, die er liebt. Schenkt reichlich Liebe. Denn Christus hat euch zuerst geliebt. Er hat sein Leben eingesetzt für euch, er hat es darbegracht und geopfert. Das nahm Gott gerne an.

Gier nach Sex, Gier nach materiellen Gütern, Habsucht solltet ihr noch nicht mal dem Namen nach kennen. Das gehört sich so für Heilige. Das gilt auch für unanständiges, dummes Gerede und angeblich Witziges.

Ihr sollt lieber danken. Denn merkt euch dies: wer gierig ist, haltlos, ist ein Götzendiener, am Reich Christi Gottes, am Reich Christi hat er keinen Anteil.

Keiner soll euch mit leeren Worten betrügen. Deshalb droht Gottes Zorngericht allen, die ihm nicht gehorchen. Macht keine gemeinsame Sache mit ihnen.

Einst war ihr von Finsternis umhüllt, jetzt aber steht ihr im Licht, weil ihr dem Herrn gehört. Verhaltet euch wie Kinder des Lichts. … „Austehen, du Schlafmütze! Steh auf von den Toten, dann geht Christus, die Sonne über dir auf.“

 

Der Text gelesen löst in mir unterschiedliche Reaktionen aus. Ich finde ihn problematisch.

Wir hören diesen Text durch eine bestimmte Auslegungsgeschichte. Sie zeigt, wie sich Kirche und Pastoren selber verstanden haben. In früheren Zeiten verstand sie sich als Wahrer einer heiligen Ordnung, von Anständigkeit, als Hüter der Moral und bestimmter ethischer Prinzipien. Diese Tradition hat besonders solche Sätze des Briefes ausgelegt:

Gier nach Sex, Gier nach materiellen Gütern, Habsucht solltet ihr noch nicht mal dem Namen nach kennen. Das gehört sich so für Heilige. Das gilt auch für unanständiges, dummes Gerede und angeblich Witziges. …. Deshalb droht Gottes Zorngericht allen, die ihm nicht gehorchen.

Der strafende Gott steht im Vordergrund. Wer Ordnung, Moral, Ethik nicht einhält, muss mit Gottes Zorn und Strafe rechnen. Es ging darum, die triebhafte Natürlichkeit des Menschen zu zügeln, sie zu unterdrücken. Das ging nach dem Prinzip: Vogel friss oder stirb.

Kann man heute so predigen? Ja, leider. Es gibt immer noch Menschen, die diesen Text genau so verstehen.

Anekdote eines würtembergischen Pfarrers, der seinem Superintendenten seine 5 Kinder vorstellt: aber keines mit Lust gemacht. Lustfeindlichkeit. Glaube und Natürlichkeit des Menschen, zwei unvereinbare Dinge.

Heute denkt man, so wird Gott missbraucht, um bestimmte Moral- und Gesellschaftsvorstellungen aufrechtzuerhalten. Die Texte so zu verstehen, führt zu einer Gottesvergiftung, einer gefährlichen Vergiftung der Seele.

Aber noch aus einem anderen Grund ist es schwierig über diesen Text zu predigen. Die Botschaft des Textes scheint nun gar nicht in die heutige Zeit zu passen. Wir leben andere Werte. Wir betonen die Natürlichkeit des Menschen: Genuss, seine eigenen Ziele durchsetzen und erreichen, ist ein wichtiges Ziel. Heutige Moralvorstellungen sind an Glück und Lebensfreude orientiert.

Die Frage stellt sich: Ist damit die Aussage des Textes eigentlich verstanden?

Vielleicht lässt sich der Text anders lesen. Er ist ein Abschnitt aus einem längeren Brief. Wenn man ihn als Ganzes liest, würde man erkennen, dass es dem Verfasser um Versöhnung und Frieden geht. Sogar ganz aktuell um Versöhnung von verschiedenen Kulturen. Er will seinen Lesern klarmachen, dass durch Jesu Leben und Sterben die Feindschaft zwischen Menschen und besonders die zwischen verschiedenen Kulturen, im konkreten Fall, die Feindschaft zwischen Juden und Christen, beseitigt worden ist. Herrscht keine Feindschaft mehr zwischen Menschen mit verschiedenen kulturellen Wurzeln, haben die Menschen auch Frieden mit Gott. Gott ist Schöpfer aller Menschen. Deshalb sollen Menschen in Frieden miteinander leben können.

Darauf spielen die ersten Sätze unseres Textes an:

Eifert Gott nach. Ihr seid seine Kinder, die er liebt. Schenkt reichlich Liebe. Denn Christus hat euch zuerst geliebt. Er hat sein Leben eingesetzt für euch, er hat es dargebracht und geopfert. Das nahm Gott gerne an.

Der Text richtet sich an Christen. Ihnen begegnet Gott mit seiner Liebe. Sie kann uns frei machen von dem, was unser Leben bedrängt, von Angst voreinander wegen unserer Unterschiedlichkeit.

Gott, so der Verfasser, hat uns zuerst geliebt. Deshalb können auch wir Menschen, egal wo sie herkommen, in Liebe und Wertschätzung begegnen. Er sagt: Christen können in Frieden mit Menschen leben.

Seine Begründung: Uns Christen ist viel gegeben, wir sind Gottes geliebte Kinder, werden von seinem Geist geleitet, haben seine Liebe erfahren. Deshalb wird viel von uns verlangt. Ein bekanntes Prinzip. Wir wenden es jeden Tag an, wenn wir Politiker beurteilen, oder unsere Vorgesetzten. Da messen wir schon mal mit strengen Maßstäben. Wenn wir urteilen: „Das sind auch nur Menschen“, ist das ein vernichtendes Urteil.

Der Verfasser meint: ein Christenmensch ist ein Heiliger, das ist der Bewertungsmaßstab. Deshalb sollen der eigene Glaube und das gezeigte Handeln übereinstimmen.

Diese Auffassung ist uns nicht fern. So wurden die Urteile eines Richters aufgehoben, weil er sich nach Ansicht des BGH auf Facebook über Straftäter lustig gemacht habe. Mit dem Amt eines Richters seien solche Verhaltensweisen nicht vereinbar. Würden sie sich einem Arzt anvertrauen, der dafür einträte sogenanntes lebensunwertes Leben zu töten? Der Papst hat Donald Trump kritisiert: wer Mauern zwischen Menschen bauen will, der kann kein Christ sein. Recht hat er!

Wir Christenmenschen stehen für bestimmte Werte: Jeder ist Gottes Geschöpf, liebe deinen Nächsten wie dich selbst, du sollst den Fremden nicht bedrücken, du sollst nicht töten, stehlen oder betrügen. Jeder kennt die 10 Gebote.

Christlichen Werte ermöglichen eine große Bandbreite an Lebensentwürfen, wie z. Bsp. eine Vielfalt von Beziehungen, von der Ehe bis zu eingetragenen Lebensgemeinschaften. Mit christlichen Werten kann man ohne schlechtes Gewissen gutes Geld verdienen, vom Banker bis zum ungelernten Arbeiter. Sie ermöglichen, dass Menschen aus verschiedenen Kulturen und anderen Glaubens friedlich zusammenleben können.

Christliche Werte verhindern keine Lebensmöglichkeiten. Sie halten sie vielmehr offen. Sie schützen den Raum, in dem sich ein erfülltes, friedliches liebevolles Leben für alle Menschen ereignen kann.

Nun ist es aber so: Wer Werte festlegt, der definiert damit auch das Schlechte und Unrichtige, das, was keinen Wert hat. Christliche Werte sind öffnende Werte, sie beschreiben einen Lebensraum für alle Menschen, und beschreiben zugleich immer ihr Gegenteil, das, was Lebensraum für Menschen zerstört. Wer den Himmel beschreibt, beschreibt auch die Hölle.

Der Verfasser tut genau das. Er beschreibt die Gegenwerte, die Frieden zwischen den Menschen unmöglich machen. Würde man diese Gegenwerte zusammenfassen, könnte man sagen: sie beschreiben eine nur auf sich selbst gerichtete Gier: körperlich, beziehungsausbeutend, andere Menschen als bloßes Objekt eigener Handlungen betrachtend. Alle denken an sich, nur ich denke an mich. Zuerst komme ich und dann vielleicht mal die Andere. Diese Gegenwerte beschrieben eine Haltung, die anderen Lebensraum wegnimmt. Solch eine Haltung, das Ausleben solcher Werte nennt der Verfasser „Götzendienst“. Davon sollen sich Christen distanzieren:

Denn merkt euch dies: wer gierig ist, haltlos, ist ein Götzendiener, am Reich Christi Gottes, am Reich Christi hat er keinen Anteil.

Ein Christ kann und darf die Ausbeutung, die Ausgrenzung von Menschen nicht befördern. Es geht nicht darum, die von Gott gewollte Natürlichkeit zu unterdrücken. Es heißt aber deutlich: Macht keine gemeinsame Sache mit ihnen. Wer solche Werte lebt, ist nach Auffassung des Schreibers „tot“.

 Lebensraum für alle Menschen offen zu halten, dafür wirbt der Verfasser des Briefes:

Einst war ihr von Finsternis umhüllt, jetzt aber steht ihr im Licht, weil ihr zu Gott gehört. Verhaltet euch wie Kinder des Lichts. … Aufstehen, du Schlafmütze! Steh auf von den Toten, dann geht Christus, die Sonne über dir auf.“

Wir Christen sind Kinder des Lichts. Und wir wollen uns auch verhalten als Kinder des Lichts. Wir stehen auf von den Toten. So leuchtet die Sonne des Lebens über uns und andere Menschen. Wir wollen einstehen für unsere christlichen Werte, die Lebensraum für alle Menschen öffnen. Wir sind Türsteher an der Pforte der Hölle!

Ich schließe mit einem kleinen Zitat von Fjodor Dostjewskij, der diese Haltung der Kinder des Lichts einmal so beschrieben hat:

„Du wirst manchmal, wenn Du nachdenkst, ratlos sein, besonders, wenn Du die Schwächen der Menschen anschaust. Entscheide dich immer so: Mit demütger Liebe will ich es versuchen. Liebevolle Demut ist eine Kraft, die stärkste von allen, und es gibt nichts, was ihr an Kraft gleichkäme.“

Diese Haltung zeigen wir als Kinder des Lichts. Wir sind von Gott zuerst geliebt und können diese Liebe reichlich weitergeben, ohne jemals arm zu werden. Wir sind keine Schlafmützen, sondern schon jetzt von den Toten auferstanden. Über uns geht Christus, die Sonne auf.

Gottes Heiliger Geist befestige diese Worte in euren Herzen, damit ihr das nicht nur gehört, sondern auch im Alltag erfahrt, auf dass euer Glaube zunehme und ihr selig werdet, durch Jesum Christum unseren Herrn. Amen