Gedanken zur Jahreslosung 2019 und Monatslosung Januar 2019

סוּר מֵרָע וַעֲשֵׂה טוֹב בַּקֵּשׁ שָׁלוֹם וְרָדְפֵהוּ

Welcher Mensch hat nicht Lust am Leben, liebt seine Tage und will Gutes sehen? Wahre deine Zunge vorm Bösen, deine Lippen vorm Trugreden, weiche vom Bösen, tue Gutes und trachte nach Frieden, jage ihm nach! Psalm 34

Wer würde das verneinen? Wir alle wollen etwas vom Leben haben, wollen möglichst lange glücklich sein. Rezepte dafür gibt es viele. Manche verdienen gutes Geld damit, anderen vermeintlich „goldene Ratschläge“ zu geben. Wenn es denn so einfach wäre! Wir sind – Gott sei Dank – komplizierter, und deshalb viel interessanter. Psalm 34 gibt uns einen Hinweis, wie Leben gelingen kann. Modern ausgedrückt: Keine Fakenews erzählen oder glauben, sich vom Bösen fernhalten, vielmehr Gutes tun und den Frieden suchen. Hört sich einfach an, ist es aber nicht, wie wir täglich erfahren. Nicht nur, dass wir uns gerne am Geschichtenerzählen beteiligen, nein, manch bösen Impuls lassen wir freien Lauf, und friedlich sollen zuerst einmal die Anderen sein.

Was passiert, als Gott seinem Strafimpuls nachgab, erzählt die Geschichte von Noah und der Sintflut. So ist es auch unter uns Menschen, wenn wir gewissen Impulsen nachgeben. Aber es ist noch mehr eine Geschichte, die von der Überwindung solcher Impulse erzählt. „Nie wieder werde ich Leben zerstören…“, schwört Gott dem Noah.

Ich schließe diesen Bund mit euch und euren Nachkommen und auch mit allen Lebewesen bei euch, mit den Tieren, die in der Arche waren. Und ich sichere euch zu: Nie wieder werde ich das Leben durch eine Wasserflut vernichten. Nie mehr wird eine Flut die Erde zerstören. Dieser Bund zwischen mir und euch gilt jeder kommenden Generation und jedem Lebewesen bei euch. Und als Zeichen dafür setze ich meinen Bogen in die Wolken. Jedes Mal, wenn ich Wolken über der Erde zusammenziehe und wenn dann der Bogen erscheint, werde ich an mein Versprechen denken, das ich euch und allen Lebewesen gegeben habe: Nie mehr sollen die Wassermassen zu einer Flut werden, die alles Leben vernichtet. Der Regenbogen wird in den Wolken stehen, und ich werde ihn ansehen und an den ewigen Bund denken, den ich mit euch und allen Lebewesen auf der Erde geschlossen habe. Und dieser Bogen, sagte Gott zu Noah, ist das Zeichen für den gültigen Bund." 1. Mose 9

Nun, das Vernichten von Leben besorgen wir Menschen inzwischen ganz gut selber. Nicht nur direkt in den Kriegen, die wir führen oder führen lassen, sondern auch durch den Lebensstil, den wir uns angewöhnt haben und auf den wir meinen, nicht verzichten zu können. Im Dezember ist die Klimakonferenz in Kattowitz zu Ende gegangen. Wie mühselig das ist, unseren Lebensstil zu ändern, können wir an den Ergebnissen sehen. Es ist ein langer Weg. Aber vielleicht macht uns die Noah Geschichte Mut, den Bund Gottes mit den Menschen als einen Bund aller Menschen und einen zwischen Natur und Mensch zu gestalten. Ein nicht leichter Weg. Aber einer der unsere Sehnsucht nach Leben und Glück erfüllen wird.

Ich wünsche Ihnen ein Gutes Neues Jahr 2019.

Pastor em. J.-Stephan Lorenz, uz.Sesmarias lote 84, 8400-565 Carvoerio, +49 171 68 20 295,stephan.lorenz@evlka.d

 

Predigt 1. P. Epiphanias 2019 Carvoeiro

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Wir sind in der Zeit nach Epiphanias, dem Fest der Erscheinung Christi. Der zu Weihnachten geborene Christus scheint als Leitstern in die Welt hinein, alle Menschen können Gott erkennen und mit Gott eins sein. Heute hörten wir die Geschichte der Taufe Jesu durch Johannes. Die Christen haben die Taufe übernommen. Sich taufen zu lassen, bedeutet einen neuen Lebenswandel einnehmen, sich auf Jesus, den Christus einzulassen.

Wer sich auf Jesus einlassen kann, erfährt wie sich sein Leben verwandeln kann. Wer blind war für sich und andere, kann "sehen"; wer im Kerker seiner Angst gefangen ist, fühlt sich befreit; und wessen Leben keine Perspektive mehr hat, spürt neuen Lebensmut, ein anderes Selbstbewusstsein. Er merkt: der Himmel steht mir offen - Gott ist bei mir, will meine Freiheit, will, dass mein Leben heil wird.

Das soll allen Menschen bekannt werden. Aber wie geht das? Ein Fußballtrainer, der mit seiner Mannschaft Erfolg haben will, sucht sich die Besten aus, die er finden kann. In der Wirtschaft das gleiche: man sucht sich die Besten, die Klügsten, Belastungsfähigsten, Schnellsten und Fleißigsten aus. Alles andere wäre grober Unsinn.

Gott aber schickt eine sehr eigenartige Mannschaft aufs Feld. Paulus sagt das so: Wisst ihr noch, liebe Brüder und Schwestern, wie es war als ihr Christen wurdet, als Gott euch berief? Da waren nicht viele, die man als klug bezeichnen würde, die Macht hatten, überhaupt, nicht viele gute Leute. Gott hat eher die weniger klugen gewählt, um die sogenannten Weisen zu beschämen. Er hat Benachteiligten erwählt, um die Privilegierten zu blamieren. Er hat Verachtete erwählt, die nichts gelten, um die Werte umzuwerten.

Keiner, der mit seiner Mission Erfolg haben will, beruft solche Leute in sein Team. Wir würden sagen: „Tut er das, ist er nicht ganz dicht." Gott aber beruft gerade solche Leute: die weniger Klugen, die weniger Mächtigen, die weniger Privilegierten, solche, die als "Nichtse" gelten. Die Frommen, die meinen wie Gott tickt, finden das eine Unverschämtheit - und konnten es kaum glauben. Die Gebildeten, die was auf dem Kasten hatten, Paulus nennt stellvertretend für alle die Griechen, fanden das einfach Schwachsinn - und wollten es nicht glauben.

Paulus bleibt dabei:        Euch hat Gott berufen. Jesus stellt sich vor  uns, durch ihn sind wir die Richtigen, Heilige, befreit von dem was Leben zur Hölle machen kann.

Vorausgesetzt, Gott ist weder unverschämt noch völlig schwachsinnig, was für einen Sinn hätte diese „Mannschaftsaufstellung“? Nun wir könnten ja die Gegenprobe machen, indem wir fragen: Schafft die Weise, wie wir Menschen zum Erfolg kommen wollen, mehr Gerechtigkeit und mehr Frieden? 

Die Frage ist rhetorisch, weil die Antwort auf der Hand liegt. Unsere Welt funktioniert eher nach dem Gesetz des Dschungels: die Starken überleben. Für zu viele Menschen bedeutet das: das Licht geht aus, die Augen werden blind für die Schönheit des Lebens, immer mehr Menschen verschwinden im Schuldturm und im Kerker der Angst.

Das ist aber nicht Gottes Wille für uns. Sein Wille ist, dass allen Menschen im Licht leben, sie ihre Augen öffnen können, Gefangene befreit werden und Menschen das Gefängnis ihrer Angst verlassen können. Das bewerkstelligt Gott mit den weniger Klugen, weniger Mächtigen, mit denen, die nichts gelten. Denn die wissen was es heißt, wenn Licht im Leben ausgeht, Augen blind werden, man in Schulden versinkt und im Kerker der Angst verreckt. Das sind die Spezialisten, wenn das Leben zur Hölle wird. Denen ruft er zu: Euch berufe ich! Ich seid meine geliebten Kinder, an denen ich mein Wohlgefallen habe. Mit euch werde ich mein Werk anfangen und vollenden, denn:"Ihr seid fähig, euch zu verändern, nicht indem ihr euch dieser Welt anpasst, sondern indem ihr neu werdet. Ihr seid fähig zu unterscheiden, was Gott will und was nicht."

Und damit meint Paulus: Gerade die „Nichtse“ haben Befähigungen und Begabungen, mit denen wir das tun können, was Jesus in seinem Leben auch getan hat: blinde Augen sehend machen, Gefangene aus dem Kerker befreien und Menschen aus der Dunkelheit ans Licht führen. Diese Begabungen und Befähigungen können wir im fröhlichen Sinn für einander einsetzen. So führen wir Christi Werk fort, verwandeln immer wieder neu diese Welt, bringen immer wieder neu Licht in diese dunkle Welt. Gottes Team ist oft ein Team gescheiterter, aber eben lebenserfahrener Menschen. Um ein Prophet zu sein braucht es ein zerbrochenes Herz, sagt ein altes jüdisches Sprichwort.

Leben wir so wie Gott es will für uns, geht keiner leer aus und jeder ergänzt jeden. Jeder ist an der Stelle, wo er lebt unvertretbar und unverzichtbar. 

So geht die Epiphanie Gottes, das Wirken des Christus, das "Licht - werden" durch uns weiter, bis wir am Ende mit Jesus den Himmel offen sehen werden. 

Gott ist mit uns, durch ihn sind wir die Richtigen, Heilige, frei von Schuld und Angst, ja sogar vom Tod. 

Amen, so will es Gott für uns und für alle Menschen.

Gottes Heiliger Geist befestige diese Worte in euren Herzen, damit ihr das nicht nur gehört, sondern auch im Alltag erfahrt, auf dass euer Glaube zunehme und ihr selig werdet, durch Jesum Christum unseren Herrn. Amen