Vorstellung der Lutherbibel 2017 auf der Buchmesse

Ein zentrales Ereignis auf der Frankfurter Buchmesse 2016 war die Vorstellung der "Lutherbibel 2017" der Deutschen Bibelgesellschaft aus Stuttgart.

 DSC8587 2 Präsentation

Bei der Enthüllung der Lutherbibel 2017 durch den Vorstand des Börsenvereins Heinrich Riethmüller (l) und Dr. Christoph Rösel, dem Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft, gab es ein besonders großes Exemplar zu bewundern: "Die Bibel, nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017." Unübersehbar prangt auf der Titelseite die Lutherrose. Sie war das Wappen, das Luther selbst entworfen und als ein "Merkzeichen" seiner Theologie verstanden hat:

Das schwarze Kreuz - die Verbindung zu Christi Tod,

das rote Herz - die Verbindung zu Christus führt uns zum Glauben,

die weiße Rose - Freude, Trost und Frieden hier und im Jenseits,

ins himmliche Blau, umgeben von einem goldenen Ring, als Zeichen der Unendlichkeit und der Kostbarkeit der himmlichen Seligkeit.

Die Beschriftung V I V I T, "er lebt", soll erst in späteren Jahren dazu gekommen sein. Martin Luther, Sohn von Hans und Margarete Luder, soll sich den Namen Luther erst später zugelegt haben und unterschreibt damit seinen Brief an den Erzbischof Albrecht von Mainz am 31. Oktober 1517, wohl im Wesentlichen mit dem Inhalt seiner 95 Thesen. Seinen neuen Namen leitete er aus dem griechisch-lateinischen Wort "Eleutherius", der Freie, ab, so fühlte er sich fortan!

 Das vorliegende Werk beginnt mit einer ausführlichen Darstellung von Luthers Leben und Glauben, und das ist gut so, denn ohne diesen historischen und theologischen Hintergrund ließen sich das Lebenswerk Luthers und die Lutherbibel nicht verstehen. Sollte Martin Luther doch ursprünglich Jurist werden und erst auf Umwegen fand er zum Theologiestudium. Sein Leben liest sich wie ein moderner Krimi und um es kurz zu machen und den Bezug zur Bibelübersetzung zu klären:

Auf dem Rückweg vom Wormser Reichstag 1521 wird Martin Luther, der offiziell als "vogelfrei" erklärt ist, zum Schein überfallen und verbringt die nächsten  zehn Monate als Junker Jörg auf der Wartburg. Dort gelingt ihm innerhalb von nur 11 Wochen auf Drängen seines Freundes Philipp Melanchthon die Übersetzung des Neuen Testamentes in die Deutsche Sprache. Es war allerdings nicht die erste Übersetzuung ins Deutsche,  es gab andere Versuche, die sich aber weitgehend auf die "Vulgata", die lateinische Bibelübersetzung des Hieronymus bezogen. Luther bezog sich auf eine gedruckte Ausgabe des Humanisten Erasmus von Rotterdam, welche ihm in griechischer Sprache vorlag. 

Es ist der erste Bestseller, denn innerhalb kürzester Zeit mußte eine Auflage nach der anderen nachgedruckt werden. 

Wenig später machte sich Martin Luther auch an die Übersetzung des Alten Testamentes, wobei ihm dafür nicht nur griechische Urtexte zur Verfügung standen, sondern auch hebräische, die ihm zu übersetzen bedeutend schwerer fielen. Viele Wortneuschöpfungen gehen auf diesen Prozess zurück, besipielsweise Feuertaufe, Lückenbüßer oder Lockvogel und Machtwort. 

Auf der Webseite der Deutschen Bibelgesellschaft www.dbg.de heißt es:  "Auf der Suche nach einer Übersetzung, die wissenschaftlich präzise und zugleich sprachlich treffend ist, hat auch Luther seine Bibelübersetzung immer wieder geprüft und überarbeitet."

Dieses Ziel hatte auch der Verlag vor Augen und ließ fast 44 % der Verse im Vergleich mit der Bibelausgabe von 1984 teils marginal, teils ausführlicher verändern. Damit sollte die Sprache von 1545 wieder aufleben, die eindrucksvoller, deutlicher gewesen war. Stärkere Veränderungen sollen in den sogenannten Apokryphen zu finden sein. Darunter werden Zusatzschriften zur Bibel verstanden, die nicht in den ursprünglichen Text aufgenommen worden waren. Wenn wir bedenken, dass beispielsweise das Alte Testament bis etwa 700 nach Christus eigentlich nur in einer Schriftform vorlag, die nur aus Konsonanten bestand und später erst Vokale eingefügt und damit eventuell andere Wortdeutungen möglich wurden, so ist es durchaus verständlich, wie schwierig so eine Übersetzung sein kann. Luther sei Dank! Im Jahr 1534 erschien die erste vollständige deutsche Ausgabe der Lutherbibel, nicht nur des Alten und Neuen Testamentes, sondern Luther hatte auch die Apokryphen mit einbezogen.

Nun steht mir es nicht an, inhaltlich dazu Stellung zu beziehen. Was mich beim ersten Blick auf die Neuausgabe positiv angesprochen hat, waren Äußerlichkeiten, denn die Bibel erscheint in unterschiedlich gestalteten Schubern! Können Sie sich vorstellen, dass die bekannte Schauspielerin Uschi Glas,  der Fußballtrainer Jürgen Klopp, der Wrestler Joe Hennig, sein Ringername ist Curtis Axel, der Sänger der Scorpions Klaus Meine, der bekannte Kinderbuchautor Janosch (Horst Eckert), der Cartoonist Peter Gaymann, Angelika und Dieter Falk, er ist u.a. der Komponist des Pop-Oratoriums "Luther", und der bekannte Jazzpianist und Keyborder Wolfgang Dauner zusammen mit Randy Bubat ein spezielles persönliches Cover für  die Bibel entworfen haben? 

 

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           Uschi Glas                           Jürgen Klopp                             Joe Henning                        Klaus Meine

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           Janosch                            Peter Gaymann                    Angelika+Dieter Falk                 Wolfgang Dauner+Randy Bubat

Alle Fotos wurden mir von der Presseseite der DBG zur Verfügung gestellt. Welcher Schuber wäre denn Ihr Favorit? Der Preis dieser besonderen Ausgaben beträgt 39.- €, ohne Schuber in einfacher Ausfertigung zwischen 22.- und 25.- €.

 

Inspiriert von unserer Gemeindetagung 2016 mit dem Pfarrer und Liedermacher Fritz Baltruweit, der uns u.a. Lieder von Martin Luther in moderner Fassung nahe gebracht hatte, fühlte ich mich hingezogen zu der Veranstaltung "A tribute to Luther" mit Dieter Falk. Falk, Musikprofessor an der Düsseldorfer Robert-Schumann Hochschule, hat es sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht, Luthers Lieder zu "modernisieren", sie erklingen als Jazz-, Swing-, Pop- oder Klassik-Variationen. Der Komponist, der auch gerne mit seinen beiden Söhnen zusammen Konzerte gibt, trat bei "A tribute to Martin Luther", der Premierenveranstaltung der Lutherbibel 2017, als Solist auf.

  DSC8969 2 Professor Dieter Falk

 

Gespannt sein dürfen wir auf die Aufführung des Pop-Oratoriums "Luther", das in Zusammenarbeit von Falk mit Micheal Kunze entstanden ist und am 26. August 2017 in Wittenberg mit 3500 Chorstimmen dargeboten wird. Die Aufführung in Berlin am 29. Oktober wird vom ZDF aufgezeichnet und zeitversetzt gesendet. Ich freue mich darauf! Falls Sie schon mal reinhören wollen, Sie finden viele Links, die Sie weiter führen können. beginnen Sie mit

https://www.youtube.com/watch?v=1GFOUQy64Z0

 

Die DEKA, die Deutschsprachige Evangelische Kirchengemeinde im Algarve, diskutiert demnächst darüber, ob sie sich Evangelisch-Lutherische Gemeinde nennen soll.

Wäre die Lutherrose nicht das schönste Emblem dafür?

 

LutherroseText Doris Wroblewski